Brigitte Einbrodt

Potsdamer Neueste Nachrichten • 21.02.2006

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Potsdamer Neuesten Nachrichten.

Die umfangreiche Recherche zur Ausstellung Neumark – Begegnung mit einer historischen Landschaft bereitet Paweł Rutkowski, dem Autor, keine Kopfschmerzen. Aber: »Zu wenig Platz«, bedauert der 30-jährige ehemalige Geschichtsstudent. »Grenzpfähle, Wappen, Aquarelle, auf all das muss ich verzichten.« Ein so langes Kapitel fast vergessener Geschichte auf 25 Tafeln vom Ende des 13. Jahrhunderts bis zum Jahr 1945 aufzuarbeiten ist schwierig. Doch Paweł ist ein Mensch, der das Glas nicht halb leer sieht: »Es ist eben ein Anfang.« Er verweist auf den Veranstalter, das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte und auf die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa: »Ich bin sicher, auch in Zukunft Unterstützung zu finden.« Ein spezielles Haus, ein Museum gebe es in Potsdam leider nicht, das sich der deutsch-polnischen Geschichte widmet. Die Neumark als Bezeichnung für ein ehemaliges Gebiet der Mark Brandenburg wurde nach dem Zweiten Weltkrieg dem polnischen Staat zugeordnet. Die Ausstellung ist im Kutschstall Am Neuen Markt bis zum 9. April 2006 zu sehen und Paweł hofft auf viele Geschichtsinteressierte.

Paweł Rutkowski ist in Polen geboren. Seit sechs Jahren wohnt er mit seiner Frau Anna und Tochter Ola in Potsdam. Die brandenburgische Landeshauptstadt hat es ihm angetan. Deshalb sagt er von sich, er sei Lokalpatriot. Dumme Bemerkungen über Ausländer hat die Familie hier noch nicht erfahren, die Vorurteile über polnische Bürger halten sich in Grenzen. »Mein Laptop wurde nicht in Polen geklaut, sondern in Potsdam«, sagt Paweł, ein leises Lächeln auf den Lippen. Keine Probleme? »Doch, die Sprache.« Dass polnische Bürger Deutsch sprechen sei oft selbstverständlich, aber umgekehrt? Paweł jedenfalls spricht fließend Deutsch, hat es in Potsdam gelernt, bei Freunden, bei den Nachbarn.

Die Ruhe, mit der Paweł kurz vor der Eröffnung von den Vorbereitungen erzählte, ist beeindruckend. Schlaflose Nächte? »Warum. Ich habe Partner, auf die ich mich verlassen kann. Alles ist genau abgesprochen«, sagt Paweł. »Stress braucht man nicht«, lacht Paweł, lehnt sich im Stuhl zurück und sagt dann aber bestimmt: »Vertrauen ist wichtig.« Gestattet sich Paweł Urlaub, in der Heimat? »Nein, keine Zeit.« Er hat schon das nächste Projekt in Arbeit. Mit deutschen und polnischen Schülern wird eine Dokumentation über Zwangsarbeiterinnen in Polen erarbeitet, diese wird im Mai in der Villa Grenzenlos eröffnet. Mit jungen Menschen arbeitet Paweł Rutkowski besonders gern, weil sie neugierig sind auf Land und Leute in Polen.