Im »Grenzgebiet zwischen Kirgisien und Kasachstan« siedelt Elli Unruh eine deutsch-mennonitische Familiengeschichte in ihrem autobiografisch gefärbten Debütroman an. Erzählt wird aus der Perspektive des Schuljungen Krocha, seiner noch unverheirateten Tante Hedi und seines Großonkels Heinrich. Drei unterschiedliche Generationen blicken auf ihr Leben zurück. Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen haben das Leben aller Mitglieder dieser Großfamilie umgekrempelt. Allein Sprache, Tradition und Religion gewähren ihnen Halt und machen es möglich, mit der Etikettierung »Faschisten« fertigzuwerden. Die Jüngeren, die in Friedenszeiten aufgewachsen sind, können damit gelassener umgehen als die Erlebnisgeneration, denen die harten Arbeitstage in der »Trudarmee« in den Knochen steckt. Zu Letzterer zählt Onkel Heinrich, der Krocha einen weisen Rat gibt: Sollte sich irgendwann die Gelegenheit ergeben, nach Deutschland auszureisen, solle Krocha nicht zögern – »nimm nur, was du musst, und geh«. An diese Worte wird sich Krocha 14 Jahre später als junger Mann mit den Ausreisepapieren in der Hand erinnern.
Elli Unruh: Fische im Trüben
Transit Verlag, Berlin 2025
200 Seiten, 24,– Euro
ISBN 978-3-88747-420-1
weitere Informationen zum Buch
Elli Unruh. Foto: © Paul BoxbergerElli Unruh, geboren 1987 in Georgijewka (Kasachstan), wuchs in Süddeutschland auf. Sie arbeitet heute im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Ihr Debütroman Fische im Trüben war nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 und stand auf der Shortlist für den Anna-Haag-Preis 2026. Elli Unruh lebt mit ihrer Familie in Stuttgart.
Von Entwurzelung zu Entwurzelung
Eine Buchrezension von Ingeborg Szöllösi
KK – Kulturkorrespondenz östliches Europa
Die vom
Deutschen Kulturforum östliches Europa 2020 initiierte Lesereihe Unerhörte Familiengeschichten aus dem östlichen Europa widmet sich historischen Landschaften des östlichen Europa, in denen Kulturen und Menschen im 20. Jahrhundert unheilvoll aufeinanderprallten.
In Kooperation mit dem
Literaturforum im Brecht-Haus Berlin.
Das Kulturforum wird gefördert vom
Bundesministerium des Innern aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Samstag, 30. Januar 2027, 17:00 Uhr
Vermächtnis der Vorfahren
Doppellesung mit Peggy Patzschke und Claudia Rikl
| Datum | Sa, 27.02.2027 |
| Zeit | 17:00 Uhr |
| Eintritt | 6,– Euro | ermäßigt 4,– Euro |
| Barrierefrei | Nein |
Literaturforum im Brecht-Haus Berlin
Chausseestraße 125, 10115 Berlin, Deutschland
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