Die russische Historikerin Irina Scherbakowa ist Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial, die in Russland jetzt als »extremistisch« eingestuft wurde. Ein Gespräch.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.04.2026

von Artur Weigandt

F.A.Z.: Frau Scherbakowa, wenn Sie an die Anfänge von Memorial zurückdenken: Wie haben Sie diese erste Phase erlebt? Und wie wurde aus einer Idee eine Organisation?

Irina Scherbakowa: Das war ein langer Prozess, der sich über das Jahr 1987 und vor allem 1988 hinzog. Aus einer kleinen Initiativgruppe, zu der ich zunächst nicht gehörte, entstand nach und nach Memorial. Die Gruppe bestand aus ganz unterschiedlichen Menschen – keine Historiker –, die auf der Straße Passanten fragten, ob sie ein Denkmal für die Opfer der Repressionen wollten. Ich hatte schon Jahre davor Interviews mit Gulag-Überlebenden geführt. 1988 wurde ich eingeladen, in einem Keller-Treffen davon zu erzählen. Später übernahm ich die Aufgabe, die Einladungen zur Gründungskonferenz zu verschicken – alles noch per Hand, mit selbst herausgesuchten Adressen und Telefonnummern. Es war eine völlig andere Zeit. […]

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