Lemberg, Lwiw, Lwów — eine Stadt wie ein Zauberwürfel. Ukrainisch, polnisch, galizisch, österreichisch, jüdisch, europäisch, postsowjetisch — ihre Farben wechseln mit jeder Drehung. Wer sie ordnen will, hält am Ende ein schillerndes, widersprüchliches Bild in der Hand. Denn diese Stadt erfindet sich immer wieder neu.
Für Ziemowit Szczerek ist Lemberg seine Stadt. Seit Jahren kehrt er hierher zurück, kennt ihre Geschichte und ihre Schmerzpunkte, ihre Mythen und Masken. Er liest mit Joseph Roth, Stanisław Lem und Juri Andruchowytsch gegen den Galizien-Mythos an, spricht mit Bürgermeistern, Künstlern, Nationalisten, Hipstern, Rentnern und Kriegsflüchtlingen — und streift durch Friedhöfe, Außenbezirke und Disney-Kneipen. Im unverkennbaren Szczerek-Sound entsteht ein vielstimmiges Porträt zwischen Reportage und Essay: eine literarische Expedition in eine Stadt im Dauerzustand der Verwandlung — zerrissen, lebendig, europäisch.
Das Gespräch mit Ziemowit Szczerek moderiert der Literaturübersetzer Thomas Weiler.
Ziemowit Szczerek, geb. 1978 in Radom, ist streitbarer Intellektueller und Journalist. Der Ukraine-Kenner ist fasziniert vom Osten Europas sowie von »geo-politischen, geschichtlichen und kulturellen Kuriositäten«, wie er selbst sagt. Für Mordor kommt und frisst uns auf erhielt er den Paszport-Preis der Zeitschrift Polityka und war für den Nike-Literaturpreis, die wichtigste literarische Auszeichnung Polens, sowie den Internationalen Literaturpreis des HKW Berlin nominiert. 2019 erschien bei Voland & Quist sein Roman Sieben. Das Buch der polnischen Dämonen.
Thomas Weiler, geb. 1978 in Wolfach, übersetzt und vermittelt seit seinem Übersetzerstudium in Leipzig, Berlin und St. Petersburg Belletristik und Kinderliteratur aus dem Polnischen, Russischen und Belarussischen. 2017 erhielt er den Deutschen Jugendliteraturpreis, 2019 den Karl-Dedecius-Preis, 2024 wurde er mit dem Paul-Celan-Preis und der August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung geehrt. 2025 erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse (Übersetzung).
Die Veranstaltung findet in Deutsch und Polnisch statt und wird gedolmetscht. Der Eintritt ist frei.
Eine Veranstaltung des
Deutschen Kulturforums östliches Europa im Rahmen unseres Jahresthemas 2026: Galizien und Bukowina. Zwei außergewöhnliche Kulturlandschaften
In Zusammenarbeit mit dem
Polnischen Institut Berlin und dem
Verlag Voland & Quist
Das Kulturforum wird gefördert vom
Bundesministerium des Innern.
| Datum | Do, 19.11.2026 |
| Zeit | 19:00 Uhr |
| Eintritt | frei |
| Barrierefrei | Nein |
Polnisches Institut Berlin
Burgstraße 27, 10178 Berlin, Deutschland
Adresse mit Google Maps öffnen.