Zeichen der Zeit. Deutsche Inschriften in Schlesien. Eine Ausstellungsrezension von Klaudia Kandzia
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© Axel Lange

Mit der Ausstellung Zeichen der Zeit. Deutsche Inschriften in Schlesien richtet das Schlesische Museum zu Görlitz den Blick auf Relikte, die oft übersehen werden: alte Schriftzüge an Häusern, Brücken oder Gewerbebauten. Viele von ihnen sollten nach 1945 in Polen verschwinden. Man schlug sie ab, überputzte oder übermalte sie. Bis heute treten sie unter verblasster Farbe wieder hervor.

Die Ausstellung versammelt Fotografien des Berliner Fotografen Thomas Voßbeck aus den Jahren 2018 bis 2025. Ergänzt werden sie durch Texte des Regionalforschers Dawid Smolorz aus Gleiwitz/Gliwice. Beide verbindet seit Jahren das Interesse an »Inschriftenarchäologie«, die quer durch Nieder- und Oberschlesien führt. Das Ergebnis dieser Spurensuche ist auch auf der Internetplattform Vergessenes Erbe/Vergessene Inschriften dokumentiert.

Gerade solche Details machen die Stärke der Ausstellung aus. Die Fotografien zeigen keine spektakulären Denkmäler, sondern alltägliche Relikte: deutschsprachige Ladenschilder, Hausinschriften, technische Hinweise. Abgeschlagene Buchstaben lassen Wörter nur noch erahnen; anderswo tritt unter jüngerer Farbe plötzlich wieder Frakturschrift hervor. Geschichte erscheint hier nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als etwas, das buchstäblich im Mauerwerk weiterlebt.

Beim Gang durch die Ausstellung wird deutlich, wie unterschiedlich die Wege sind, auf denen solche Inschriften bis heute überdauert haben. Manches blieb schlicht stehen, weil niemand mehr die Mühe oder das Geld aufbrachte, alte Buchstaben vollständig zu entfernen. Inzwischen gibt es auch Beispiele, bei denen historische Schriftzüge bei Sanierungen bewusst wieder freigelegt oder nachgezogen wurden. Die Fotografien halten genau diese Spannweite fest: zwischen Verbergen, Zufall und neuer Aufmerksamkeit. Mal tritt eine alte Ladenaufschrift überraschend klar an einer frisch renovierten Fassade hervor, mal bleibt von ihr nur der Schatten einzelner Buchstaben im bröckelnden Putz. Gerade diese Uneinheitlichkeit macht den Reiz der Spurensuche aus, die auch der opulente Ausstellungskatalog dokumentiert. Er kostet dreißig Euro.

Dass die Ausstellung mehr sein will als eine fotografische Bestandsaufnahme, zeigt das Begleitprogramm. Ein Vortrag führte etwa in den Breslauer Stadtteil Odertor/Nadodrze, der lange als Problemviertel galt, sich aber zu einem Treffpunkt der Kunst- und Kreativszene entwickelte, in der mit Geschichte nun interessant wird.

Zeichen der Zeit zeigt, wie viel Geschichte in scheinbar beiläufigen Details steckt. Wer sich auf diese Spuren einlässt, entdeckt, dass einzelne Worte an einer Hauswand oft mehr erzählen als eine ganze Gedenktafel.

Schlesisches Museum zu Görlitz

Brüderstraße 8

02826 Görlitz

Bis 13. September 2026