Bericht über die 19. Mitteleuropäische Nachwuchstagung für Studierende der Germanistik
von Markéta Herrmannová
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Studienleiter Gustav Binder erläutert an der Saalebrücke die jahrhundertelange Salzgewinnungstradition von Bad Kissingen. Foto: © Deutsches Kulturforum östliches Europa, 2025 | Vera Schneider

Von 23. bis zum 28. November 2025 nahmen wir, acht Studentinnen und Studenten der Interkulturellen Germanistik an der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität in Aussig/Ústí nad Labem, an der 19. Nachwuchstagung für Studierende der Germanistik teil. Die Konferenz wurde von der Akademie Mitteleuropa e.V. in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa in der Bildungs- und Begegnungsstätte »Der Heiligenhof«  in Bad Kissingen veranstaltet. Die regelmäßig ausgetragenen Tagungen beschäftigen sich traditionell mit deutschsprachiger Literatur und den kulturellen Beziehungen in Mittel- und Osteuropa, also in einer Region, die unter anderen die Länder der früheren Österreichisch-ungarischen Monarchie umfasste. Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen 2025 vorwiegend aus diesem Gebiet: aus der Ukraine, Tschechien, Polen, Kroatien und aus Deutschland.

Das Thema der diesjährigen Konferenz lautete Irrungen und Wirrungen. Deutschsprachige Literatur aus dem östlichen Europa. »Irrungen und Wirrungen« ist der Titel eines Romans von Theodor Fontane aus dem Jahr 1888. Der Roman thematisiert die Möglichkeit der Liebe unter gesellschaftlichem Zwang, fragt nach den Grenzen der Moral und persönlicher Freiheit und setzt sich damit kritisch mit den gesellschaftlichen Zuständen am Ende des 19. Jahrhunderts auseinander. Diese Thematik sprachen auch viele Referierende an, wobei sie die Nationalitätenproblematik nicht außer Acht ließen. Neben Fontane ging es in den Referaten unter anderem um Liebesbriefe von Franz Kafka oder das literarische Werk von Fritz Mauthner, Theodor Körner, Rose Ausländer, Lenka Reinerová und Michael Zeller. Ein Vortrag beschäftigte sich außerdem mit dem sinkenden Interesse an deutscher Sprache in den Ländern Mittel- und Osteuropas.

Wegen mehrerer Erkrankungen von Referentinnen und Referenten konnte das ursprüngliche Programm nicht vollständig umgesetzt werden. Die Organisatoren reagierten schnell mit einem gelungenen Ersatzprogramm. Eine Stadtführung durch Bad Kissingen und ein Ausflug nach Würzburg brachten Abwechslung und boten interessante Einblicke in die Kulturgeschichte der Region. Besonders gut gefiel uns jedoch die spontane Vorlesung von Dr. Vera Schneider über die deutschsprachige Literatur aus Prag. Sie war sehr gut verständlich, anschaulich und lebendig, ein Quiz bildete ihren Abschluss. Unser tschechisches Team setzte sich gegen die Konkurrenz durch und gewann den ersten Preis. Der Höhepunkt kam am Abend, als wir den Preis in der Südmährischen Weinstube des Heiligenhofs auch den anderen Gästen angeboten haben. Das löste unsere Zungen und wir haben einen geselligen Abend miteinander verbracht. 

Wie im letzten Jahr brachte uns die Tagung nicht nur neue Kenntnisse über Literatur und interkulturelle Beziehungen, sondern vor allem auch Begegnungen mit inspirierenden Menschen aus verschiedenen Ländern. Besonders beeindruckte mich das Bonmot von Dr. Jan Čapek aus Königgrätz/Hradec Králové: »Wir sind alle Österreicher.« Für mich beschrieb dieser Satz die Stimmung während der gesamten Tagung sehr gut.

Im Namen unserer Gruppe möchte ich mich bei den Organisatoren, Referentinnen und Referenten herzlich bedanken. Die Konferenz steigerte unsere Motivation für das Studium und ermöglichte, dass wir viele schöne Erinnerungen und neue Freundschaften gewonnen haben. Vielen Dank!

Für die Studentinnen und Studenten des Studienprogramms IKG an der Germanistik der philosophischen Fakultät der Universität in Ústí nad Labem,
Markéta Herrmannová

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