Was heute Dnipro heißt, hieß einmal Katerynoslav, dann Dnipropetrowsk. Was heute im Frontbereich liegt, war einst eine der dynamischsten Industrieregionen Europas. Maryna Tkachuk und Anna Palenchuk erzählen die Entstehungsgeschichte dieser Region: von der gezielten Ansiedlungspolitik Katharinas der Großen über den »Eisenrausch« und die Suche nach seltenen Erden im 19. Jahrhundert, als britische, französische, belgische und polnische Investoren Fabriken, Repräsentativbauten und urbanes Leben in Krywyj Rih, Dnipro und Kamjanske errichteten.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Mennoniten – Glaubensflüchtlinge, die im 18. Jahrhundert aus dem deutschsprachigen Raum hierherkamen und sich im Zarenreich eine neue Existenz aufbauten, bevor sie in den 1930er-Jahren nach Sibirien deportiert wurden. Eine Geschichte, die im deutschsprachigen Raum kaum bekannt ist.
Eurokryvbas schließt an Kornii Hrytsiuks Dokumentarfilm Eurodonbas (2022) an, der europäische Architektur im Donbass dokumentierte, bevor sie der Zerstörung im russischen Krieg gegen die Ukraine anheimfiel. Für Eurokryvbas schrieb Hrytsiuk das Buch. Der Film arbeitet vor allem mit animierten historischen Fotografien – ein Verfahren, das abwesenden Zeugnissen Präsenz verleiht. Historiker und Aktivisten berichten, wie sie das verbliebene Erbe zu sichern versuchen. Die Fabriken und Prachtbauten aus dieser Zeit verfallen. Der Krieg tut das Seine dazu.
Maryna Tkachuk ist Dokumentarfilmerin und blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in Journalismus, Film und Drehbuch zurück. Ihr Schwerpunkt liegt auf Geschichten über historische Erinnerung, Identität und Widerstandskraft. Ihre Filme liefen international, unter anderem beim Warsaw International Film Festival und im Europäischen Parlament in Straßburg.
Anna Palenchuk ist Filmproduzentin und Drehbuchautorin. Sie ist Mitgründerin der ukrainischen Produktionsfirma 435 FILMS sowie von BE BRAVE FILMS in Kanada. Sie produzierte preisgekrönte Dokumentar- und Spielfilme mit renommierten Regisseuren wie Mantas Kvedaravičius, Vitaliy Manskiy, Oleg Sentsov, Akhtem Seitablayev und Maciek Hamela. Diese Filme feierten auf bedeutenden Festivals Premiere, darunter Cannes, die Berlinale, Toronto, IDFA, Karlovy Vary, das Tallinn Black Nights Film Festival, Sheffield DocFest, DOC NYC und Hot Docs.
weitere Informationen zum Film auf der Website des Filmfestival Cottbus 2026
Der Film wird im Rahmen der Sektion SPECTRUM des FilmFestivals gezeigt. Geschichten, die das Leben schrieb – vom Camping-Abenteuer in Kaschubien bis zum moldawischen Eastern aus den 1990er-Jahren. Genreübergreifend fühlt das »Spektrum« der Zeit auf den Zahn. Autobiografisch geprägt, horrormäßig überspitzt, dokumentarisch empathisch, zwischen den Schatten der Vergangenheit und einer Gegenwart, die keinen kalt lässt: Wie sieht der extreme Alltag in der Ukraine für die Betroffenen aus? Was passiert, wenn man Menschen in ein Land abschiebt, in dem sie nie zu Hause waren? Was bedeutet »Stalking« eigentlich wirklich? Mit dabei: der Gewinnerfilm des MIOB New Vision Award und die Vorab-Premiere des allerneuesten rbb-Polizeiruf 110. Mitten im realen Leben, mal mit augenzwinkernder Distanz, mal mit dem Finger in der Wunde.
Tickets für 7,50 Euro
an der Abendkasse
oder auf
reservix
zzgl. 2,00 € Servicegebühr und ggf. Versandkosten
Eine Veranstaltung des
Deutschen Kulturforums östliches Europa in Kooperation mit dem
36. FilmFestival Cottbus
Das Kulturforum wird gefördert vom
Bundesministerium des Innern aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Eurokryvbas
Donnerstag, 5. November 2026
10:30 Uhr
Filmtheater Weltspiegel Cottbus
| Datum | Di, 03.11.2026 |
| Zeit | 18:30 Uhr |
| Eintritt | 7,50 Euro |
| Barrierefrei | Ja |
Filmtheater Weltspiegel Cottbus
Rudolf-Breitscheid-Straße 78, 03046 Cottbus/Chóśebuz, Deutschland
Adresse mit Google Maps öffnen.