Das Schloss, erstmals erschienen 1926, ist Kafkas längstes und figurenreichstes Werk. Der Roman schildert die scheinbar vergessene Welt eines unter Schnee begrabenen Dorfs, in dem eines Tages ein Fremder erscheint: ein Landvermesser namens K., der sich beharrlich um Arbeit und Wohnung bemüht, jedoch an einer unzugänglichen, alles beherrschenden Schlossbehörde scheitert. Mit zahlreichen ebenso bewegenden wie grotesken Wendungen weitet sich die archaische Szenerie allmählich zu einem Panorama von unheimlicher Intensität.
Der Kafka-Biograph Reiner Stach, der zum Werkjubiläum eine ausführlich kommentierte Ausgabe des Romans vorlegt, berichtet von der Entstehungsgeschichte und bietet anhand des Manuskripts auch Einblicke in die erzählerischen Finessen des Romans. Wie gelingt es Kafka, aus einem scheinbar so ruhigen Erzählfluss eine so bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen, ganz ohne Schockelemente und abenteuerliche Wendungen? Nie zuvor hat Kafka mit so unauffälligen Mitteln derartige Wirkungen erzielt wie hier, auf dem Höhepunkt seiner erzählerischen Kunst: eine außergewöhnlich dicht gewobene Textur, ein virtuoses Spiel mit verschiedenen Ebenen der Wirklichkeit, mit Ironie und zahlreichen versteckten Hinweisen des Erzählers. Dabei liefert Kafka – wie schon Elias Canetti bemerkte – die in der deutschsprachigen Literatur wohl überzeugendste Demonstration moderner Techniken der Macht: ohne Gewalt, ohne konkrete Drohungen, und dennoch mit unwiderstehlicher Verführung zu Kooperation und Gehorsam.
Das macht den Roman im 21. Jahrhundert aktueller denn je, und dies ist sicher ein wesentlicher Grund dafür, warum heute das komplexe Schloss so bemerkenswerten Widerhall auch in anderen Medien findet: in Theater, Film, Musik und Comic.
Aus dem Roman liest Andreas Spaniol, Ensemblemitglied des Oldenburgischen Staatstheaters.
Der Eintritt kostet 10,– Euro.
Tickets können online gebucht werden bzw. sind an der Theaterkasse erhältlich.
(dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 14 Uhr)
Eine Veranstaltung des
Deutschen Kulturforums östliches Europa in Zusammenarbeit mit dem
Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa – BKGE und dem
Oldenburgischen Staatstheater. Im Rahmen der Reihe Diskursgewitter
Das Kulturforum wird gefördert vom
Bundesministerium des Innern aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
| Datum | Do, 29.10.2026 |
| Zeit | 20:00 Uhr |
| Eintritt | 10,– Euro |
| Barrierefrei | Nein |
Oldenburgisches Staatstheater
Johannisstraße 6, 26121 Oldenburg, Deutschland
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