Schreiben, um den Tod aufzuhalten: zum 200. Geburtstag des Dichters Adalbert Stifter
Wolfgang Frühwald
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Der Tagesspiegel • 22.10.2005

[…] Denn dass dieser Dichter modern war, seinen Zeitgenossen weit voraus im naturwissenschaftlichen Denken, im reflektierten Schreiben, im Entwurf von Menschen, deren Sittlichkeit auch einer fortgeschrittenen Technik gewachsen ist, steht außer Zweifel. »Wir arbeiten«, heißt es im Nachsommer, »an einem besondern Gewichte der Weltuhr, das den Alten noch ziemlich unbekannt war, an den Naturwissenschaften. Wie wird es sein, wenn wir mit der Schnelligkeit des Blitzes Nachrichten über die ganze Erde werden verbreiten können, wenn wir selber in großer Geschwindigkeit und in kurzer Zeit an die verschiedensten Stellen der Erde werden gelangen und wenn wir mit gleicher Schnelligkeit große Lasten werden befördern können? Nur das scheint mir sicher, andere Zeiten und andere Fassungen des Lebens werden kommen, wie sehr auch das, was dem Geiste und dem Körper des Menschen als letzter Grund innewohnt, beharren mag.« […]

Die Sanftmut des Tigers
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