Anlässlich des 300. Geburtstages von Daniel Chodowiecki präsentiert das Berliner Hugenottenmuseum unter dem Titel Chodowiecki 300. Zwischen Kunst und Konfession eine Sonderausstellung, die den berühmten Grafiker und Kupferstecher zum einen als Weltkünstler und Aufklärer und zum anderen als Mitglied und prominenten Akteur der Hugenottengemeinde thematisiert. Mit anderen Worten: Chodowiecki wird hier als »Art Director« seiner Gemeinde betrachtet, stets rotierend im Spannungsfeld zwischen reformiertem Glauben, bürgerlichem Engagement und kreativer Freiheit.
Die kompakte, in fünf thematische Stationen gegliederte Schau, die größtenteils auf Beständen des Archivs und der Bibliothek der Französischen Kirche zu Berlin basiert, ist Teil des Themenjahres »Chodowiecki300«, das mit einem bunten Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm noch bis Ende 2026 an verschiedenen Orten in Deutschland und Polen begangen wird.
Am 16. Oktober 1726 in eine polnisch-hugenottische Familie in Danzig/Gdańsk geboren, wuchs Daniel Chodowiecki in einem weitgehend mehrsprachigen, multiethnischen und multikonfessionellen Umfeld der wohlhabenden Hansestadt im Königlichen Preußen auf. Nach dem Tod des Vaters verließ er mit nur 13 Jahren seine Geburtsstadt und ging nach Berlin, wo bereits ein Teil der Familie lebte. Die Chancen, eine gute Ausbildung als Künstler zu absolvieren und wichtige Kontakte für eine spätere Karriere zu knüpfen, standen in der Metropole an der Spree besser als in der Kaufmannsstadt Danzig. Hier lernte Chodowiecki Emailmalerei und nahm Zeichenunterricht. 1755 heiratete er die Hugenottin Jeanne Barez. Diese Ehe band den jungen Künstler an die Berliner Hugenottengemeinde und später auch an den Französischen Dom, den zentralen Identifikationsort der Hugenotten in Preußen und bis heute ein Berliner Wahrzeichen. Neben seinem Engagement in der Gemeindeverwaltung und Armenfürsorge fertigte Chodowiecki im Auftrag der Gemeinde Bilder und Werke an, die nun im Mittelpunkt der aktuellen Sonderausstellung stehen, zum Beispiel das 1759 entworfene Titelkupfer für das Psalmenbuch, ein Exlibris für die Seminarbibliothek und schließlich ab 1780 den Skulpturenschmuck für den Französischen Dom, dessen Figuren liebevoll als Turmbewohner bezeichnet werden.
Einen zentralen Platz in der Ausstellung nimmt die Handschrift von Chodowieckis Autobiografie ein, in der er seinen Werdegang und seine Lehrtätigkeit an der Akademie der Künste zunächst als Mitglied und später als ihr Präsident beschrieb. Das Dokument galt als verschollen und wurde erst kürzlich von Chodowieckis Nachkommen dem Archiv der Französischen Kirche zu Berlin übergeben. Gezeigt werden außerdem Druckgrafiken, Entwurfszeichnungen für die Bauskulpturen am Französischen Dom, historische Bücher und Medaillen. Ein kolorierter Damenfächer macht deutlich, wie Chodowieckis Motive den Hugenottenmythos im Alltag prägten.
Hugenottenmuseum Berlin
Französischer Dom
Gendarmenmarkt 5, 10117 Berlin
www.hugenottenmuseum-berlin.de
Noch bis 25. Oktober 2026
Veranstaltungshinweis
Donnerstag, 1. Oktober 2026
300 Jahre Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726–2026)
Themenabend
Französische Friedrichstadtkirche Berlin, 18:00 Uhr