Die neue Galerie der Romantik. Eine Ausstellungsrezension von Renate Zöller

KK 1449 25 Rezi RZ Galerie der Romantik© Renate ZöllerEine Schleuse trennt die romantische Lebenswelt Caspar David Friedrichs von der schnöden Außenwelt, eine abgedunkelte Kapelle voller Klang und Farben. Auf einer sechs Meter hohen Leinwand sieht man vier Meeresszenen durch die Augen eines Künstlers – so weit abstrahiert, dass der Blick sich ganz auf das Farbenspiel der Sonne auf dem Wasser konzentriert. Ideal eingestimmt betritt die Besucherin die »Galerie der Romantik«. Die neue Dauerausstellung im Pommerschen Landesmuseum wurde im Dezember 2025 eröffnet.

Auf zwei Etagen verteilt widmet sich der neue Trakt des Pommerschen Landesmuseums vor allem Greifswalds berühmtestem Sohn, Caspar David Friedrich. Geboren wurde er 1774 als sechstes von zehn Kindern eines Seifensieders. Die Familie war sehr religiös, was sich auch in den Landschaftsbildern Friedrichs spiegelt: Er verwendete nicht nur christliche Symbole, er verstand die Natur selbst als Ausdruck des Göttlichen.

Die obere Etage zeigt, welchen Einfluss er auf viele Künstler aus ganz Europa hatte. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dänischen Künstlern – Werke aus der Sammlung Christoph Müller. Die Ölgemälde mit schweren, teils vergoldeten Rahmen gehören zum eher konventionellen Teil der Präsentation.

Deutlich unkonventioneller geht es dagegen im Erdgeschoss zu. Es ist nur eine recht kleine Auswahl der Werke Friedrichs zu sehen. Dafür ist deren Präsentation umso origineller. Der Fokus liegt auf seiner Denk- und Arbeitsweise. Um diese anschaulich zu machen, hat sich das Pommersche Landesmuseum einiges Pfiffiges einfallen lassen.

So wird beispielsweise die Ruine Eldena im Riesengebirge regelrecht seziert und in eine Installation mit vielen einzelnen Schichten aufgeteilt. Skizzen Friedrichs an der Wand zeigen, wo und in welchem Jahr er die einzelnen Eindrücke festgehalten hatte. Mit rund sechzig Lebensjahren fügte er sie kühn zusammen in ein Ölgemälde – ebenfalls im Original zu sehen – und versetzte die Greifswalder Klosterruine dafür kurzerhand ins 400 Kilometer entfernte Riesengebirge.

In einem weiteren Saal sind Leben und Werk Friedrichs biografisch erfasst und in eine wandfüllende hölzerne Grafik übersetzt. Besonders treffend dabei: Die Grafik selbst ähnelt einer Berglandschaft, wie Friedrich sie so liebte. Einen Moment Zeit sollte man sich für das digitalisierte Portrait Friedrichs von Albert Freyberg nehmen – das Mienenspiel und feine Lächeln des als depressiv bekannten Künstlers gipfelt darin, dass er irgendwann einfach aufsteht und das Bild verlässt. 
Und natürlich dürfen auch interaktive Elemente nicht fehlen. Ein Highlight: Mit dem Zeigefinger kann man sich auf dem digitalen Regler durch die Farbwelten Friedrichs auf einer riesigen Leinwand schieben.

So gelingt dem Pommerschen Landesmuseum ein ebenso kluger wie im wahrsten Sinne des Wortes »sinnlicher« Zugang zur Kunst der Romantik. 

Galerie der Romantik
im Pommerschen Landesmuseum
Rakower Str. 9, 17489 Greifswald
Dienstag bis Sonntag von 10–18 Uhr (Mai – Okt.) bzw. 10–17 Uhr (Nov. – Apr.)