Polnische Intellektuelle denken über ihre Heimatstadt nach • Gespräch mit Basil Kerski, Journalist und Herausgeber des Buches »Danziger Identitäten«, erschienen im Verlag des Kulturforums
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Deutschlandradio Kultur • 07.12.2011

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Durfte Danzig denn in seiner Geschichte jemals wirklich europäisch sein oder haben nicht die jeweiligen Stadtherren immer dafür gesorgt, alles internationale zu leugnen und nur die jeweilige nationale Sicht zu zu lassen?

Basil Kerski: Diese Frage bekam erst im 19. Jahrhundert eine Bedeutung. Bis zum 18. Jahrhundert spielten Konfessionen, Freiheiten, auch Handelsinteressen eine wichtigere Rolle. Danzig war eine eigenartige Stadt: reich, wenn auch vielleicht nicht so reich wie Florenz, aber bestimmt genauso wohlhabend wie andere Hansestädte, wie Hamburg oder Lübeck. Sie ist der Geburtsort bedeutender Europäer wie Schopenhauer oder Fahrenheit. Aber eine Stadt, die meiner Meinung nach einen Fehler begangen hat: Sie hat diesen Reichtum nicht in Wissen investiert. Es entstand z. B. keine Universität vor dem 19. Jahrhundert. Und als Johann Sebastian Bach nach Danzig wollte – denn dies war sein Traum – war die Stadt desinteressiert. Ich glaube, da wurden schon falsche Weichen gestellt. Das erinnert übrigens an die heutigen Herausforderungen. Und im 19. Jahrhundert nach der Teilung Polens verfiel Danzig in die Bedeutungslosigkeit einer preußischen Provinzstadt. Erst dieser blutige Konflikt um die Grenzen nach dem Ersten Weltkrieg gab dieser Stadt wieder eine Bedeutung. […]

Das gesamte Gespräch mit Basil Kerski, Journalist und Herausgeber des Buches ► danziger identitäten. eine mitteleuropäische debatte finden Sie in der ► Mediathek. Dazu klicken Sie bitte den 7. Dezember 2011 an, blättern oben rechts eine Seite weiter und scrollen dann nach unten zum Beitrag um 11.09 Uhr.