Das Deutsche Kulturforum östliches Europa ehrt Karl-Markus Gauß für sein Gesamtwerk und Thomas Urban für seine Publikation »Der Verlust. Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert.«
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Karl-Markus Gauß
Thomas Urban: Der Verlust. Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert Foto

Die feierliche Preisverleihung findet am 29. November 2006 in Berlin statt.

Das Deutsche Kulturforum östliches Europa in Potsdam vergibt im Herbst 2006 den Georg Dehio-Buchpreis. Mit dieser vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Bernd Neumann dotierten Auszeichnung werden Autoren geehrt, die sich in ihren Werken fundiert und differenziert mit den Traditionen und Wechselbeziehungen deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa auseinander gesetzt haben. Der Georg Dehio-Buchpreis ist aufgeteilt in einen mit 12000 Euro dotierten Hauptpreis und einen mit 8000 Euro dotierten Ehrenpreis. Der Hauptpreis würdigt das publizistische Gesamt- und Lebenswerk eines Autors. Mit dem Ehrenpreis wird der Verfasser einer herausragenden Publikation ausgezeichnet.

Zusammensetzung der Jury

  • Georg Aescht, Autor und Publizist, Vorstandsmitglied der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat, Bonn
  • Peter Ambros, Judaist, Historiker und Publizist, Chemnitz – Juryvorsitzender
  • Ingke Brodersen, Publizistin
  • Dr. Wolfgang Kessler, Slawist und Leiter der Martin-Opitz-Bibliothek, Herne
  • Prof. Dr. András Masát, Germanist und Skandinavist, Direktor des Collegium Hungaricum, Berlin
  • Dr. Beate Störtkuhl, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg, als Vertreterin des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien
  • Dr. Tomasz Torbus, Kunsthistoriker, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig

Die Jury unter dem Vorsitz des Historikers und Publizisten Peter Ambros sprach den Hauptpreis dem Salzburger Publizisten Karl-Markus Gauß zu. Er schreibt seit vielen Jahren über die Regionen Mittel- und Osteuropas, über ihre Kultur, Geschichte und Gegenwart. Im Mittelpunkt seines Werkes steht die Darstellung der kaum bekannten oder gar vergessenen Minderheiten dieser Region, auch den versprengten Deutschen spürt er nach. Gauß führt seine Leser in die eher abgelegenen Winkel unseres Kontinents und vermag ihnen diese untergehenden Landschaften und ihre Menschen mit ihrer oft vielfältigen Herkunft und Biographie auf plastische und zugleich einfühlsame Weise nahe zu bringen. Karl-Markus Gauß trägt mit seinem Werk dazu bei, einen untergehenden Teil Europas vor der Vergessenheit zu bewahren und uns daran zu erinnern, dass einer der historischen Schätze Europas seine Vielfalt ist.

Der Ehrenpreis geht an Thomas Urban für seine Publikation Der Verlust. Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert. Das Buch öffnet den Blick für die Millionen Menschen aus verschiedenen Völkern, die im 20. Jahrhundert gezwungen wurden, ihre Heimat aufzugeben. Nicht nur die Vertreibung der Deutschen aus den heute zu Polen gehörenden Ostgebieten ist sein Thema, sondern auch die Vertreibung der Polen aus den östlichen Teilen ihres Landes, die nach 1945 an die Sowjetunion fielen. Thomas Urban hat sich dieser bis heute politisch umstrittenen Ereignisse auf eine Weise angenommen, die zur Verständigung zwischen Polen und Deutschen beitragen kann.

Die feierliche Preisverleihung findet am 29. November 2006 in Berlin statt.

Karl-Markus Gauß wurde 1954 in Salzburg geboren, wo er heute als Essayist, als Kritiker und Herausgeber der Zeitschrift Literatur und Kritik lebt. Er schreibt für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit, Neue Zürcher Zeitung, Die Presse und Die Furche. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und mit etlichen Preisen ausgezeichnet.

Im Paul Zsolnay Verlag sind von Karl-Markus Gauß erschienen:

  • Das Europäische Alphabet (1997),
  • Ins unentdeckte Österreich. Nachrufe und Attacken (1998),
  • Der Mann, der ins Gefrierfach wollte. Albumblätter (1999),
  • Die sterbenden Europäer (2001),
  • Mit mir, ohne mich. Ein Journal (2002),
  • Von nah, von fern. Ein Jahresbuch (2003)
  • Die Hundeesser von Svinia (2004),
  • Die versprengten Deutschen. Unterwegs in Litauen, durch die Zips und am Schwarzen Meer (2005)

Thomas Urban wurde 1954 in Leipzig geboren. Nach dem Studium der Romanistik, Slawistik und Osteuropäischen Geschichte in Köln, Tours, Kiew und Moskau arbeitete er als Agenturjournalist in Paris und New York. Seit 1988 ist Thomas Urban Osteuropa-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung mit den Stationen Warschau, Moskau und wieder Warschau. Er hat zahlreiche Aufsätze sowie sechs Bücher über die deutsch-polnischen Beziehungen sowie russische Emigrantenliteratur veröffentlicht.

Links

www.zsolnay.at
Die Internet-Seiten des Zsolnay Verlags, der die Bücher von Karl-Markus Gauß verlegt

rsw.beck.de
Der Verlag C.H. Beck des Autors Thomas Urban im Internet

www.thomas-urban.pl