Europaweit wurden die Eisenbahnen, die zunächst als Transportmittel für die Industrie gedient hatten, ab dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts ein allgemeines Verkehrs- und Reisemittel. Durch die neuartige Geschwindigkeit der mechanischen Verkehrsmittel begann die natürliche Welt immer mehr zu schrumpfen. Ein Teil der damaligen Zeitgenossen bejubelte nicht nur die schnelle Erreichbarkeit ferner Orte durch die Eisenbahn, sondern sie bejubelten die Züge auch als technische Garanten für Völkerverständigung, Fortschritt und Frieden. Ein anderer Teil empfand jedoch das schnelle, relativ glatte Dahingleiten als Verlust; so trauerte man den nun langsam verschwindenden Kutschen hinterher, die wegen ihres gemächlichen Tempos und wegen des lebendigen Verhältnisses zwischen Mensch und Tier als beseelter erachtet wurden.
Die Erfahrungen von Raum und Zeit wurden durch die Eisenbahn verändert, ja, nivelliert, die Landschaft und Landschaftswahrnehmung wurden durch Tunnel, Schneisen, Einschnitte, Viadukte umgemodelt. Man sprach von der »Vernichtung von Raum und Zeit«, die als neu und verwirrend empfunden wurde. Allerdings gab es auch Gebiete auf der Welt wie in Amerika und später auch in Russland, vor allem Sibirien, deren bisher unbesiedelte Wildnisse durch die Eisenbahn überhaupt erst erschlossen wurden.
Die erschütternden Umbrüche, die das neuartige Eisenbahnwesen mit sich brachte, kommentierte Joseph von Eichendorff bereits um 1850 mit einem skeptischen Kopfschütteln:
»Diese Dampffahrten rütteln die Welt, die eigentlich nur noch aus Bahnhöfen besteht, unermüdlich durcheinander wie ein Kaleidoskop, wo die vorüberjagenden Landschaften, ehe man noch irgendeine Physiognomie gefasst, immer neue Gesichter schneiden, der fliegende Salon immer neue Sozietäten bildet, bevor man noch die alten recht überwunden hat.«
(Aus der Collage von R. Schieb)
In der dialogischen Lesung »Spurwechsel« werden durch Christian Klischat literarische Zitate über Zugfahrten, Eisenbahnlinien und Bahnhöfe im östlichen Europa dargeboten, ergänzt und verbunden durch kulturhistorische Kommentare von Roswitha Schieb.
Die Autorin Roswitha Schieb veröffentlichte bereits eine Reihe von literarischen und kulturhistorischen Reisebüchern, darunter den Literarischen Reiseführer Breslau und Jeder zweite Berliner. Schlesische Spuren an der Spree im Verlag des Deutschen Kulturforums östliches Europa.
Der Schauspieler Christian Klischat arbeitete u. a. am Nationaltheater Weimar, am Hans-Otto-Theater Potsdam, im Berliner Theater im Palais und am Staatstheater Darmstadt. Seit einem Jahr ist er festes Ensemblemitglied am Staatstheater Wiesbaden, aber auch immer wieder mit seinen eigenen Produktionen in Kirchen, Kulturhütten und Theatern zu erleben. Dem Fernsehpublikum ist er außerdem durch seine Mitwirkung an erfolgreichen Serien wie Tatort und SOKO Leipzig bekannt.
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Die Teilnehmerzahl ist auf 35 beschränkt, Anmeldungen werden der Reihe nach berücksichtigt. Bitte Masken nicht vergessen!
Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Kooperation mit dem Verein Berliner Unterwelten
Datum | Di, 29.09.2020 |
Zeit | 19:00 Uhr |
Eintritt | 5,– Euro | Ticketverkauf vor Ort |
Barrierefrei | Nein |
Berliner Unterwelten
Brunnenstr. 143, 10115 Berlin, Deutschland
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