Thomas Schmid

Die Welt • 05.08.2010

Es gibt historische Zeugnisse, die auch 50 oder 500 Jahre nach ihrer Entstehung noch so hell strahlen wie am ersten Tag. Die kurze amerikanische Verfassung gehört ebenso dazu wie die Magna Charta oder, wechselt man das Genre, das Lied der Deutschen. Nicht dazu gehört die »Charta der deutschen Heimatvertriebenen«, die heute vor 60 Jahren auf einer Massenkundgebung von Vertriebenen in Bad Cannstadt verkündet wurde. Sie glänzt nicht mehr wie am ersten Tag, weil sie trotz allen ehrlichen Bemühens dann doch nicht die Kraft findet, wirklich gültig zu werden und an die Wurzel der deutschen Dinge zu gehen. Dennoch besteht kein Grund, in ihr ein Dokument deutscher Verstocktheit zu sehen. Denn die versöhnende Kraft, die von dem kurzen Dokument ausging, war und ist beträchtlich. […]