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© Haus der bayerischen Geschichte

Mit der Sonderausstellung »Neuanfänge – Heimatvertriebene in Bayern« nimmt die Bavariathek des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg ihren Betrieb auf. Durch einen Brand 2017 hatte sich die Eröffnung dieser Abteilung verzögert.

von Markus Bauer

Im Zentrum stehen Unternehmensgeschichten, Biografien von 13 Personen aus den einzelnen Herkunftsgebieten und O-Töne von Zeitzeuginnen und -zeugen. Diese äußern sich auch in einem kleinen Film von 15 Minuten. Die Protagonistinnen und Protagonisten stammten aus den Sudetengebieten und dem Banat, aus Odessa/Odesa sowie aus Schlesien, Ostpreußen, der Batschka und dem Wartheland. Auskunft gibt unter anderem ein für die Wohnraumbeschaffung zuständiger Mitarbeiter im Landkreis Schwabmünchen.

Berichtet wird über den Transport im Güterzug über Prag nach Furth im Wald, die Anrede mit einem an das Herkunftsland angelehnten Spitznamen, die anfängliche Hoffnung auf Rückkehr oder konfessionelle Dispute bis hin zu Gewalt gegen Heimatvertriebene durch Einheimische. »Wir waren die Flüchtlinge«, schildert Marlene Wetzel-Hackspacher das Empfinden bei der Ankunft in Bayern und zitiert damalige Gespräche mit Menschen in Bayern, die nicht glauben wollten, dass »noch ganze Ströme, ja Millionen« kommen würden. Die aus Schlesien geflüchtete Ruth Pirzer beschreibt, dass viele Vertriebene keine konkreten Vorstellungen über das sie aufnehmende Land hatten. Die Suche nach Arbeit war ein großes Problem. Manchmal konnten frühere Hobbys dabei helfen, wird aus den O-Tönen ersichtlich. Manchmal schufen Heimatvertriebene selbst Arbeitsplätze, indem sie Unternehmen gründeten.

Neben den Berichten gibt es Erläuterungen und Exponate von acht Unternehmen, die ihre Wurzeln in den früheren Siedlungsgebieten haben und nach der Vertreibung (zum Teil bis heute) in der neuen Heimat oder darüber hinaus erfolgreich Fuß gefasst haben, etwa Wenzel Meinl (Blechblasinstrumente), Klira (Gitarren) oder Kersa, ein Spielzeughersteller. Zur erfolgreichen Integration der Heimatvertriebenen sowie Aussiedlerinnen und Aussiedler trugen die Arbeitsstelle, aber auch ehrenamtliches Engagement, nicht selten in der Landsmannschaft der Herkunftsregion, bei. »Durch meinen Fleiß und meine Kenntnisse hat man mich akzeptiert«, sagt der aus Odessa stammende Anton Bosch, der 1974 als Aussiedler nach Deutschland kam.

Die historischen Rahmenbedingungen werden in fünf Kapiteln geschildert. Es geht um die Neuanfänge der Heimatvertriebenen in Bayern. Beschrieben werden die Aspekte Flucht, Vertreibung und Ankunft sowie die Entwicklung »Vom Provisorium zur neuen Heimat«. Weitere Abschnitte widmen sich den »Schulprojekten in der Bavariathek« sowie den Zeitzeugen.

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Bavariathek, Haus der Bayerischen Geschichte
Donaumarkt 2, 93047 Regensburg
Dienstag bis Sonntag 9–18.00 Uhr, bis 15. April 2022