Enthüllung in Gakovo gilt als Zeichen dafür, dass heute zwischen denjenigen Deutschen, die gemordet haben, und denen, die der Ideologie und Vorurteilen zum Opfer gefallen sind, unterschieden wird
Ejub Stitkovac

Deutsche Welle • Monitor Ost- / Südosteuropa • 25.05.2004

Bonn, 22.5.2004, DW-RADIO/Serbisch

In Gakovo bei Sombor ist am 22. Mai ein Gedenkkreuz für deutsche Opfer des ehemaligen Internierungslagers in diesem Ort enthüllt worden. An diesem Akt nahmen teil: Vertreter der serbischen Regierung, der deutschen und österreichischen Botschaft sowie des Weltdachverbands der Donauschwaben und des Deutschen Volksverbandes in Serbien.

Die Enthüllung des Gedenkkreuzes in Gakovo ist ein Zeichen dafür, dass sich Ablagerungen der Geschichte auf eigene Weise klären, und diejenigen, die gemordet haben, von denen auseinander gehalten werden, die der Ideologie und Vorurteilen zum Opfer gefallen sind. Das heutige Ereignis war in der Zeit der nationalistischen Euphorie und kurz darauf undenkbar. Die Vertreterin des Deutschen Volksverbandes in Belgrad, Slavica Musitic, erklärte gegenüber DW-RADIO, es seien gewisse Fortschritte im Umgang mit den so genannten Volksdeutschen spürbar: »Ich glaube, dass die jüngeren Generationen bedeutend bewusster, freigeistiger und demokratischer sind sowie mehr Verständnis für die Geschehnisse damals aufbringen. Dies ist jedoch in offiziellen Kreisen noch immer ein Tabu. Wir, die wir Näheres wissen, spüren als Nachfahren noch immer die Folgen, auch wenn wir dies nicht miterlebt haben. Wir sind beispielsweise nicht am politischen Geschehen und in anderen Bereichen beteiligt, die uns in der Verfassung garantiert sind. (…)«.

Dem Kenntnisstand von Slavica Musitic zufolge waren die Deutschen in Serbien in der letzten Zeit nicht von nationalistischen Übergriffen betroffen. Derartige Spannungen sind jedoch in einer multinationalen Vojvodina durchaus besorgniserregend. »Es sind Spannungen gegen größere Bevölkerungsgruppen, größere nationale Minderheiten spürbar. Ich vermute, es gibt vergangenheitsorientierte Strömungen, die den Status Quo erhalten möchten. Ich vertrete indes die Ansicht, dass eine demokratische und europäischorientierte Haltung in unserer Bevölkerung überwiegt. Wir streben alle gen Europa, (…). Ich glaube, dass noch viele Probleme überwunden werden und dass dieser Prozess nicht mehr zu stoppen ist. Ich erwarte zudem, dass auch wir eines Tages vor dem Gesetz, dem Staat und dem Volk gleichgestellt sind«.

Frau Musitic wies jedoch auch auf einige Vorurteile hin, die bis in die Gegenwart erhalten geblieben sind: »Ich kann nicht verstehen, wenn jemand sagt, die hier ansässigen Schwaben wären Feinde des hiesigen Volkes. Sie sind hier geboren und halten dieses Land für ihre Heimat, ebenso wie es das für die Angehörigen anderer nationaler Minderheiten und die Mehrheitsbevölkerung ist«.

Bei der letzten Volkszählung in Serbien haben genau 3 901 Einwohner erklärt, sie seien Deutsche. Alle, die sich mit dieser nationalen Minderheit befassen, sagen jedoch, es gäbe viel mehr Deutsche, die sich jedoch aus diversen Gründen nicht als solche bezeichnen. (md)