Erinnerungen an den Krieg 1939–1945 • Aus dem Polnischen übersetzt von Karin Wolff
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Lanckoronska, Karolina: Mut ist angeboren. Übers. aus dem Polnischen: Wolff, Karin. 312 S., geb., 27 schw.-w. Abb., 1 Karte. Wien: Böhlau, 2003. € [D] 29,90. ISBN 3-205-77086-2.

»Die Italiener nannten sie Comtessa, die Freunde Karla, und alle, die das Glück hatten, ihr zu begegnen, voller Ehrfurcht Frau Professor. Karolina von Brzez Lanckoronska - Kunsthistorikerin, Oberleutnant der Heimatarmee, Leiterin des Historischen Instituts in Rom, Mäzenin. »Die nach Rom reisenden Polen wollten zwei Personen kenn lernen - sie und den Papst« (E. Orman). Eine Jahrhundertgestalt.

Die 1898 in Buchberg bei Wien geborene Tochter des Kunsthistorikers und -sammlers Karol Lanckoronski und seiner dritten Ehefrau Margarete geb. Lichnowsky, einer Preußin, durchlebte ein ganzes Jahrhundert. Die dramatische Schilderung ihrer Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges, in den bereits 1945/46 verfassten »Kriegserinnerungen« ist ein Augenzeugenbericht, der mit der Einnahme Lwows durch die rote Armee 1939 einsetzt und bis zur Befreiung des Konzentrationslagers Ravensbrück 1945 reicht.

1939 ist Karolina Lanckoronska Privatdozentin an der Jan-Kazimierz-Universität und Gutsherrin. Ihre besetzte Heimat zu verlassen, lehnt sie ab. Nach der erzwungenen Flucht engagiert sie sich im polnischen Roten Kreuz. Die von ihr in die Wege geleiteten und durchgeführten Hilfsaktionen retten vielen das Leben. Nüchtern, bisweilen mit trockenem Humor, unter Hintanstellung der eigenen Person schildert sie Extremsituationen, wie Verhaftung und Verhör, Dunkelhaft, Scheinhinrichtung, Todesurteil, das auf Intervention der italienischen Königsfamilie in KZ-Haft im Lager Ravensbrück umgewandelt wird, unter vollständiger Enteignung des Familienbesitzes nach dem Krieg. Im August 2002 ist Karolina Lanckoronska 104-jährig in Rom verstorben, nachdem sie die umfangreiche Kunstsammlung der Familie dem polnischen Staat vermacht hatte.«

(Quelle: Böhlau Wien)