10.01.2014

Integration, Gegenintegration, Desintegration

Timothy Snyder
Timothy Snyder
Integration, Gegenintegration, Desintegration
Die Habsburgermonarchie hat als multinationales Staatswesen jahrhundertelang historische Wirksamkeit entfaltet. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 leitete ihren Kollaps ein; das Imperium zerfiel in seine nationalen Bestandteile. Auch die EU ist ein solch fragiles Gebilde, Habsburg kann ihr Lehrstück sein.

Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2013

[…] Ein weiterer Weg, die nationalen Fragen zu streuen, lief über die Einrichtung zentraler Institutionen, von denen die wichtigste im 19. Jahrhundert der Kaiser selbst war. Die Tatsache, dass Franz Josef von 1848 bis 1916 regierte, führte dazu, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast jeder Bürger unter keinem anderen Kaiser als ihm gelebt hatte und er als Staatsoberhaupt nationale Fragen bis zu einem gewissen Grad zu absorbieren vermochte. Franz Josef sprach die meisten Sprachen, die es im Habsburgerreich zu sprechen galt. Er sprach da, wo er hinreiste, in der Sprache der Leute, und er reiste viel, um sich selber als übernationale Figur zu positionieren. Die andere übernationale Zentralorganisation von Wichtigkeit war die Bürokratie, wozu auch die Offizierskaste zu zählen ist. Ihre Verfasstheit zeigt sehr gut, dass es in der Habsburgermonarchie eine Elite gab, die keinen nationalen Loyalitäten verpflichtet war, sondern loyal zu den übernationalen zentralen Institutionen und zur Monarchie als solcher stand. […]

Das Ende des Habsburgerreiches
Der gesamte Artikel in der Onlineausgabe der NZZ

Folgende Veranstaltungen könnten Sie auch interessieren:

Folgende Ausstellungen könnten Sie auch interessieren:

Folgende Publikationen könnten Sie auch interessieren:

      • Seitenanfang