»Jedes Glaubens sich’rer Hort« - Beispielregion konfessioneller, sprachlicher und ethnischer Vielfalt

»Jedes Glaubens sich’rer Hort« - Beispielregion konfessioneller, sprachlicher und ethnischer Vielfalt
»Jedes Glaubens sich’rer Hort« - Beispielregion konfessioneller, sprachlicher und ethnischer Vielfalt
Der Kleine Ring, früher der Marktplatz des mittelalterlichen Hermannstadt/Sibiu, ist von Laubengängen umgeben, in denen früher Verkaufslokale ihre Waren feil boten.

Geografisches Zentrum des heutigen Rumänien

Das Land Siebenbürgen wird durch das von den Siebenbürgischen Westgebirgen sowie den Süd- und Ostkarpaten eingeschlossene Hochland gebildet. Es entspricht den politischen Grenzen des ehemaligen (Groß-)Fürstentums Siebenbürgen

Historische Entwicklung

Nach dem Durchzug zahlreicher Wandervölker und oft wechselnden Zugehörigkeiten kam Siebenbürgen erst als Teil des entstehenden Königreichs Ungarn ab der Jahrtausendwende unter eine dauerhafte Herrschaft. Zu den seit dem 7. Jahrhundert hier dünn siedelnden Slawen kamen nun Ungarn und bald auch deren Hilfsvölker zum Grenzschutz hinzu. Ab Mitte des 12. Jahrhunderts warb die ungarische Krone zur Erschließung von Bergbau und Handel sowie zum Schutz des Landes westliche, überwiegend deutsche Siedler an, denen vor allem im Süden und im Norden des Landes Territorien zugewiesen wurden. Ab dem 13. Jahrhundert wurden ihre Rechte bestätigt, zu denen die freie Pfarrer- und Richterwahl und festgesetzte Steuern gehörten. Ihre Bezeichnung als »Sachsen« geht auf das Bergrecht aus Sachsen zurück und setzte sich als stereotyper Begriff für westliche Siedler in diesem Zeitraum durch. Sie erwirtschafteten schon bald einen erheblichen Teil der Staatseinnahmen und bildeten ab Beginn des 15. Jahrhunderts neben dem ungarischen Adel und den ungarischsprachigen Szeklern eine der drei »Nationen«, wie die Stände in Siebenbürgen auch genannt wurden.

Die Sächsische Nation

Die Sachsen entwickelten teilweise demokratisch strukturierte Vertretungskörperschaften mit Gesetzgebungskompetenz auf dem eigenen Territorium. Über ein Viertel der Sprachgruppe lebte jedoch benachbart außerhalb dieses Bereichs auf Adelsgrund und war somit persönlich unfrei; den Wandel zur künftig die Gruppe charakterisierenden lutherischen Reformation machten jedoch alle Sachsen mit. Die »Sächsische Nation« blieb als rechtlich-administrativer Rahmen über die Zeit der osmanischen Herrschaft wie jene der Habsburger hin bestehen und ließ die Sachsen zusammen mit der eigenen Volkskirche zu einer eigenständigen Volksgruppe werden. Die durchgängig vorhandene Bindung an die deutschen Länder verstärkte sich im 19. Jahrhundert und erlangte in den Jahren 1940-44 durch die Gleich- und Fernschaltung durch Hitlerdeutschland ihren tragischen Höhepunkt. Da Rumänien jedoch keine Vertreibungen vornahm und auch die deutsche Sprache nicht verbot, konnten sich die deutschen Gruppen trotz des enormen demografischen und kulturellen Aderlasses behaupten. Erst der Exodus nach 1990 stellte ihre Existenz zunächst in Frage. Die kleine Sprachminderheit, zunehmend verstärkt durch verschiedene Zuwanderer aus den deutschsprachigen Ländern, blickt zu Beginn des 21. Jahrhunderts jedoch relativ zuversichtlich in die Zukunft.

Bergbau und Handel

Die Deutschen Siebenbürgens waren im Mittelalter vor allem wegen ihrer Fernkaufleute und ihrer Gewerbezentren berühmt; in der Neuzeit wirkten sie durch Innovationen in der Industrie sowie im Agrar- und Kreditwesen beispielgebend.

Außergewöhnliches Kulturerbe

Die Kulturlandschaften des südlichen und teilweise des nördlichen Siebenbürgen sind durch die mittelalterlich-frühneuzeitlichen Städte und durch eine in Europa einmalige Fülle an Kirchenburgen der Siebenbürger Deutschen geprägt. Der künstlerische Stand war bis ins 16. Jahrhundert hinein auf mitteleuropäischem Niveau, an das die Region erst wieder im Laufe des Barock halbwegs anschließen konnte. Das 20. Jahrhundert zeichnet sich besonders durch Beiträge von Literaten und modernen Künstlern aus.

Unser Tipp

Zu empfehlen sind Ferien auf historisch eingerichteten Bauernhöfen in abgelegenen Dörfern. Außerdem Städtetouren, beispielsweise nach Schäßburg, Hermannstadt oder Kronstadt. Gut zu verbinden ist so ein Trip auch mit Reisen zu den Moldau-Klöstern oder ins Donau-Delta.

Literatur

Franke, Arne: Das wehrhafte Sachsenland

Franke, Arne: Städte im südlichen Siebenbürgen

Roth, Harald: Kleine Geschichte Siebenbürgens. Wien 2007.

Links
www.evang.ro
Auf dieser Website stellt sich die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien vor.

www.siebenbuergen-institut.de
Mit der Erforschung der wechselvollen Geschichte dieser vielschichtigen europäischen Region beschäftigt sich das Siebenbürgen-Institut in Gundelsheim am Neckar, das ein An-Institut der Universität Heidelberg ist.

www.siebenbuerger.de
Informationen zum Verband der Siebenbürger Sachsen findet man hier. Der Verband versteht sich als Anlaufstelle für die kulturellen und sozialen Belange der mittlerweile mehrheitlich in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen.

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