Wo antike Mosaike die schwachen Spuren des kurzen Verweilens der Dobrudschadeutschen belächeln

Wo antike Mosaike die schwachen Spuren des kurzen Verweilens der Dobrudschadeutschen belächeln
Der Dobrudschadeutsche Johannes Türk
Friedhof für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges in Konstanza
Die Romulus-und-Remus-Statue in Konstanza

Zwischen Rumänien und Bulgarien

Die Dobrudscha (rumän. Dobrogea, bulg. Добруджа [Dobrudža], türk. Dobruca) umfasst naturräumlich das Donaudelta mit den nördlich und südlich angrenzenden Steppenlandschaften am Schwarzen Meer. Heute gliedert sie sich als Folge der Grenzziehung von 1940 in die Norddobrudscha in Rumänien – mit der größten Stadt der Region, Konstanza/Constanţa – und in die Süddobrudscha in Bulgarien; die Nord- und Westgrenze bildet die Donau.

Durchgangsgebiet am Donaudelta

Seit der Antike sind Menschen durch die Steppen am Schwarzen Meer in Richtung Süden durch die Dobrudscha gezogen und haben ein Gemisch an Sprachen, Konfessionen und Kulturtraditionen hinterlassen. In antiker Zeit siedelten hier die Geten, ein Zweig der Thraker, und die Skythen, ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. gründeten griechische Seefahrer Handelskolonien an der Schwarzmeerküste, unter anderem auch Tomis, das heutige Konstanza/Constanţa. Während der römischen bzw. byzantinischen Zeit bildete die Donau zeitweilig die nördliche Reichsgrenze, im Ersten Bulgarischen Reich (681–971) stellte die Dobrudscha das Kerngebiet dar. Mitte des 14. Jahrhunderts entstand unter dem Despoten Dobrotič, der als Namensgeber der Region gilt, ein unabhängiges Fürstentum, doch schon 1393 kam die Region unter osmanische Herrschaft und blieb es fast 500 Jahre lang. Auf dem Berliner Kongress 1878 wurde das im Grunde geschlossene Gebiet zwischen Rumänien und Bulgarien aufgeteilt – damit legte man den Grundstein für Auseinandersetzungen um den Besitz der ganzen Dobrudscha. Beide Länder versuchten, in ihrem Teil von der jeweiligen Bevölkerungsmehrheit geprägte demografische Verhältnisse zu schaffen. Heute leben in der gesamten Dobrudscha neben den über 90 Prozent der Bevölkerung ausmachenden Rumänen noch Tataren, Bulgaren, Türken, Lipowaner, Ukrainer, Griechen, Deutsche und Roma.

Zuzug deutscher Siedler aus Bessarabien

Gegen Ende der osmanischen Herrschaft, 1842, siedelten sich die ersten deutschen Kolonisten an. Sie kamen vor allem aus dem nördlich an die Donau grenzenden Bessarabien, in das sie aus politischen, religiösen und wirtschaftlichen Gründen erst einige Jahrzehnte zuvor eingewandert waren. Doch aufgrund des geltenden Erbhofrechts wurde dort das Land knapp; die nächsten Auswanderungswellen (1873–1883 und 1890–1891), von denen auch die Dobrudscha profitierte, gründeten in der Aufhebung der Privilegien für die Kolonisten und in der folgenden Russifizierungspolitik. Die ersten Siedlungen in der Dobrudscha waren Akpunar und Malcoci – sie wie alle anderen deutschen Kolonien in der Dobrudscha gehen also nicht auf einen gezielten staatlichen Peuplierungsplan zurück, sondern stellten einen ungeordneten Zuzug vor allem aus Bessarabien, aber auch aus dem Gouvernement Cherson, aus Polen, Wolhynien, Galizien und aus dem Kaukasus dar.

Wirtschaft

Die Landwirtschaft prägte das ökonomische Leben der Menschen, auch das der Dobrudschadeutschen. Doch das geltende Realerbteilungsrecht führte zu immer kleineren Flächen und in der Folge zur Verarmung landloser Bauern. Traditionell waren Viehzucht, Fischfang und Handwerk weitere Einkommensquellen, hinzu kamen Schiffbau bzw. -reparatur und Tourismus.

Kultur

Von den dobrudschadeutschen Dörfern, ihren Siedlungen, Kirchen, öffentlichen Gebäuden ist nicht viel geblieben. Das Gebäude des heutigen Kultur- und Begegnungszentrums der noch verbliebenen knapp 4000 Mitglieder (2002; 2011 sollen es laut offiziellen Angaben weniger als 150 gewesen sein) der deutschen evangelischen Gemeinde in Konstanza entstand 1901 als einzige konfessionelle Schule der Deutschen in der Dobrudscha. Ein reiches kulturelles Erbe hinterließen hingegen vor allem die Römer, unter anderem mit der Ruinenstadt Histria oder der Statue des hierher verbannten Ovid auf dem zentralen Platz in Konstanza, wo sich auch ein Mosaikboden aus römischer Zeit erhalten hat.

Unser Tipp

In Konstanza gibt es einen Friedhof, auf dem die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs liegen, darunter auch Dobrudschadeutsche. Sie waren unter rumänischer Herrschaft seit 1888 militärpflichtig. Mit der rumänischen Gesamtmobilmachung 1916 wurden zahlreiche Dobrudschadeutsche eingezogen, die damit rechnen mussten, gegen deutsche Soldaten kämpfen zu müssen oder in deutsche Kriegsgefangenschaft zu geraten.

Literatur & Links

Irina Bajdechi: Die deutsche Gemeinschaft aus der Dobrudscha. Ihre Beziehungen mit den anderen Institutionen. Vergangenheit, Gegenwart und Perspektiven. Universität Bukarest 2010 (Unveröff. Bachelorarbeit).

Dirk Jachomowski: Die Umsiedlung der Bessarabien-, Bukowina- und Dobrudschadeutschen. Von der Volksgruppe in Rumänien zur "Siedlungsbrücke" an der Reichsgrenze. München 1984 (Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommission 32).

Alfred Meschendörfer: Der Büffelbrunnen, München 1935.

Wilfried Heller, Josef Sallanz (Hg.): Die Dobrudscha. Ein neuer Grenzraum der Europäischen Union. Sozioökonomische, ethnische, politisch-geographische und ökologische Probleme. München, Berlin 2009 (Südosteuropa-Studien 76).

Gustav Rückert: Das erste Bier aus Konstanza. In: Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien

Josef Sallanz: Bedeutungswandel von Ethnizität unter dem Einfluss von Globalisierung. Die rumänische Dobrudscha als Beispiel. Potsdam 2007 (Potsdamer Geographische Forschungen 26)

Thomas Schares: Dobrudscha, Eintrag im online-Lexikon des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa

Andrea Schmidt-Rösler: Die deutschen evangelischen Gemeinden in der Dobrudscha. In: Christa Stache, Wolfram G. Theilemann (Hg.): Evangelisch in Altrumänien. Forschungen und Quellen zur Geschichte der deutschsprachigen evangelischen Kirchengemeinden im rumänischen Regat. Sibiu, Bonn 2012 (Veröffentlichungen des evangelischen Zentralarchivs in Berlin 9), S. 98-121.

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