Preußens königlicher Anteil

Preußens königlicher Anteil
Preußens königlicher Anteil

Die Marienburg, polnisch Malbork

Links und rechts der unteren Weichsel

Westpreußen war eine Provinz des Staates Preußen, die beiderseits der unteren Weichsel lag. Es umfasste ursprünglich die vom Deutschen Orden im Zweiten Thorner Frieden (1466) an Polen abgetretenen Gebiete Pommerellen, Kulmer Land, Michelauer Land, das Gebiet um Marienburg, Stuhm und Christburg sowie das Bistum Ermland. Seit 1569 war diese Region mit Polen verbunden, durch die Erste Teilung Polens fiel sie jedoch mit Danzig und Thorn, dem heutigen Toruń, 1772 an die preußische Krone. Die aus den annektierten polnischen Gebieten gebildete Provinz des Königreichs Preußen mit der Hauptstadt Danzig hat den Namen Westpreußen erhalten, während das »Ursprungsgebiet« des Königreichs Preußen, vereinigt mit dem Ermland, den Namen Ostpreußen führen sollte. Die Hohenzollern schufen damit eine Landverbindung zwischen ihrem Königreich Preußen und dem Kurfürstentum Brandenburg.

Nach dem Machtverlust des Deutschen Ordens

Aufgrund der politischen Veränderungen im ausgehenden Mittelalter, der Niederlage des Deutschen Ordens bei Grundwald 1410 und der Verlegung des Regierungssitzes des Ordens von Marienburg nach Königsberg entwickelte sich das kulturelle Leben innerhalb des Bürgertums der Städte Danzig, Elbing und Thorn weiter. 1773 wurde in Marienwerder die westpreußische Hofbuchdruckerei gegründet.

Durch den Frieden von Tilsit am 7. und 9. Juli 1807 verlor Westpreußen große Teile seines Territoriums an das neu gebildete Herzogtum Warschau. Eingebüßt wurde aber vor allem Danzig, das zum „Freistaat“ erhoben wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel der größte Teil Westpreußens an den neuen polnischen Staat. Die Stadt Danzig mit einigen sie umgebenden Gemeinden wurde zur Freien Stadt Danzig. Die westlichsten Kreise verblieben bei Deutschland als Teil der neuen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen, die 1938 aufgelöst wurde. Die Gebiete östlich der Weichsel wurden an Ostpreußen angegliedert. Der entstandene „polnische Korridor“ verschaffte Polen einen Zugang zum Meer, teilte aber zugleich Ostpreußen vom restlichen Deutschland ab.

»Heim ins Reich«

Im Zuge der Aktion »Heim ins Reich« innerhalb der nationalsozialistischen Vereinigungspolitik wurden in dieser Region nach Vertreibung der polnischen Bevölkerung zahlreiche Deutschbalten aus Estland und Lettland angesiedelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg fielen Westpreußen und Danzig an Polen. Die deutschen Einwohner flohen oder wurden vertrieben. In den Gebieten wurden polnische Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemals polnischen Teilen Weißrusslands, Litauens und der Ukraine angesiedelt, die nun zur Sowjetunion gehörten. Das Gebiet bildet heute den Hauptteil der polnischen Woiwodschaften Pommern und Kujawien-Pommern.

Wirtschaft

In Westpreußen dominierte die Land- und Forstwirtschaft. In Zeiten der Industrialisierung entwickelte sich hier die Getreideverarbeitung und Zuckerindustrie, es entstanden Möbelfabriken und Alkoholbrennereien. Die Großstädte der Region wie Danzig, Thorn und Kulm spielten eine herausragende Rolle als Handels- und Umschlagplätze. Nach 1945 entstand auch eine Papier- und Chemieindustrie.

Deutsche, Polen und Kaschuben

Charakteristisch für Kultur und Geschichte Westpreußens ist das Nebeneinander von Deutschen, Polen und Kaschuben. Die Kaschuben (Kaszubi, Kaszëbi) sind eine Volksgruppe der autochthonen slawischen Bevölkerung der westlichen Ostseeregion. Bereits seit dem frühen Mittelalter wurden die der katholischen Religion anhängenden Kaschuben germanisiert, sie bewahrten aber ihre slawische Identität, ihre Kultur, ihre kaschubische Sprache. Heute sind die Kaschuben in Polen als sprachliche Minderheit anerkannt. Aus einer kaschubischen Familie stammt Günter Grass, ein Kaschube ist auch der polnische Ministerpräsident Donald Tusk. Der Bevölkerungsanteil der deutschen Minderheit ist im ehemaligen Westpreußen deutlich geringer als in Oberschlesien oder in Ermland-Masuren.

Unser Tipp

  • Entlang der Weichsel: die Städte Kulm (Chełmno), Graudenz (Grudziądz) und Thorn (Toruń)
  • die Kaschubische Seeplatte
  • die Deutschordensburg Marienburg (polnisch Malbork)
  • das Kaschubisches Freiluftmuseum in Wdzydze Kiszewskie (kaschubisch Kiszewsczé Wdzëdzé, deutsch 1874–1920 Wdzidzen, 1942–1945 Sanddorf)

Literatur

Boockmann, Hartmut: Ostpreußen und Westpreußen. Deutsche Geschichte im Osten Europas. Berlin 1992.

Kerski, Basil (Hrsg.): Danziger Identitäten. Eine mitteleuropäische Debatte, Potsdam 2011.

Loew, Peter Oliver: Literarischer Reiseführer Danzig. Potsdam 2009.

Loew, Peter Oliver: Danzig und seine Vergangenheit. 1793 bis 1997. Zur Geschichtskultur einer Stadt zwischen Deutschland und Polen. Osnabrück 2003.

Lorentz, Friedrich: Geschichte der Kaschuben. Berlin 1926.

Neumeyer, Heinz: Westpreußen, Geschichte und Schicksal. München 1993.

Schumacher, Bruno: Geschichte Ost- und Westpreußens. Würzburg 1958.

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