Anlässlich der Verleihung des Georg Dehio-Kulturpreises 2011

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Anlässlich der Verleihung des Georg Dehio-Kulturpreises 2011
Anlässlich der Verleihung des Georg Dehio-Kulturpreises 2011 gehalten am 22. September 2011 in der Deutschen Bank, Unter den Linden, Berlin
D. Dr. Christoph Klein, Georg Dehio-Kulturpreisträger 2011 (Hauptpreis), während seiner Dankesrede

gehalten am 22. September 2011 in der Deutschen Bank, Unter den Linden, Berlin

Albert Schweitzer berichtet in seinen Erinnerungen, dass er es bedauert, in seinem Leben, aus Scheu eher als aus Gedankenlosigkeit, es öfter unterlassen zu haben, Menschen seinen Dank auszusprechen für das, was sie ihm gaben oder für ihn bedeuteten, also Dankbarkeit auch zu bekunden. Und doch sollten wir uns dazu »immer wieder anhalten«, sagt er, »denn dann gibt es«, so wörtlich, »in der Welt mehr Sonne und mehr Kraft zum Guten.« Darum bitte ich Sie, meine Damen und Herren, den Dank der Preisträger bei dieser feierlichen Veranstaltung auch in diesem Sinne Albert Schweitzers zu verstehen und entgegenzunehmen.

Bei meinem Dank für die Verleihung dieses Georg Dehio- Kulturpreises möchte ich in der Aufzählung der Personen und Institutionen die zeitliche Reihenfolge wählen, in der diese für mich so überraschende Ehrung zu Stande gekommen ist. Denn dass ich heute vor Ihnen stehe, geht zunächst darauf zurück, dass es jemand gab, der mich für diesen Preis vorgeschlagen und den Vorschlag, wie wir sehen, überzeugend begründet hat, nämlich Herr Unterstaatssekretär Helge Fleischer in Bukarest bzw. Hermannstadt, dem ich darum an dieser Stelle zuerst ganz herzlich danken möchte. Leider konnte er heute an dieser Festlichkeit nicht teilnehmen, wiewohl es ihm ein wichtiges Anliegen war hier dabei zu sein.

Dann freilich war es die Jury, die wohl aus einer Reihe von Kandidaten mich als Hauptpreisträger gewählt hat und darum die eigentliche und wichtigste Entscheidung für das Zustandekommen dieser Feier getroffen hat. Den Damen und Herren der Jury danke ich darum ganz besonders, und zwar Frau Dr. Beate Störtkuhl, als Vorsitzende, sowie den andern Mitgliedern der Jury:
Prof. Dr. Andras Balogh
Frau Sybille Dreher
Frau Dr. Anneli Ute Gabanyi
Prof. Dr. Jörg Haspel
Dozentin Dr. Kristina Kaiserova und
Herrn Basil Kerski.

Sodann gilt mein herzlicher Dank den drei Persönlichkeiten, die mich durch ihre Worte geehrt haben: Unserer heutigen »Hausherrin« Frau Dr. Doris Lemmermeier, der Direktorin des Deutschen Kulturforums östliches Europa für ihre herzliche Begrüßung und – zugleich ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, vor allem Frau Dr. Claudia Tutsch und Herrn Dr. Harald Roth, für die umsichtige Vorbereitung dieser Veranstaltung.

Sodann Frau Ministerialdirektorin Dr. Berggreen-Merkel, der Vertreterin des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Kulturstaatsminister Bernd Neumann, für ihre bewegende Ansprache und die Überreichung des Preises, und – last but not least – Herrn Oberbürgermeister von Hermannstadt und Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien Klaus Johannis für seine beeindruckende und tiefgehende Laudatio. An seine so weitgespannten Ausführungen, aber auch an die andern an mich gerichteten Worte anknüpfend, möchte ich kurz einige persönliche Gedanken hinzufügen.

Zunächst darf ich bemerken: Ich war überrascht, als ich hörte, dass mir dieser so bedeutende Georg Dehio-Kulturpreis zugesprochen wurde. Denn die Jury hat sich bei der Vergabe des Hauptpreises für jemand entschieden, der nicht direkt aus dem Kulturbereich kommt.

Und weiter: alles, was hier über meine Verdienste gesagt wurde, habe ich von Anfang an als selbstverständliche Aufgaben meines Amtes als Bischof unserer Kirche betrachtet. Den Einsatz für die Rettung und Bewahrung unseres Kulturgutes habe ich stets – nach dem geistlichen Dienst und der Diakonie – als dritte Priorität meiner Tätigkeit genannt. Unser reiches Kulturerbe hat in der Tradition unserer Kirche immer schon eine bedeutende identitätsstiftende Rolle für unsere Gemeinschaft gespielt. Ein Siebenbürger Sachse definiert sich bis heute wesentlich über seine Sprache, seine Kultur, die Kirchenburg und – in den meisten Fällen – seinen evangelischen Glauben. Darum findet man fast in jedem siebenbürgisch-sächsischen Haus, auch wenn er oder sie in Deutschland oder sonstwo in der Welt lebt, ein Bild seiner/ihrer Heimatkirche. Insofern war mein Dienst für den Erhalt der evangelischen Gemeinden der Siebenbürger Sachsen und der andern evangelischen Gemeinden in Rumänien implizit ein Dienst an der deutschen Gemeinschaft in unserm Land überhaupt. Und dass dieses Werk in der völlig neuen Situation, bedingt durch den massiven Exodus der Deutschen aus Rumänien und der so nie da gewesenen Schrumpfung, auch der Kirche, nur in Zusammenarbeit mit den andern ethnischen Gruppen, voran der rumänischen Mehrheitsbevölkerung möglich war, lag ebenfalls von Anfang an auf der Hand.

Ja, ich darf nochmals sagen: Ich habe alles, was heute von meinen Verdiensten erwähnt wurde, als selbstverständliche, zu meinem Amt zugehörige Aufgaben wahrgenommen, im Bewusstsein, in einer großen Tradition zu stehen. Doch ich muss hinzufügen: Es geschah auch auf Grund meines immer wieder vorgetragenen theologischen Konzeptes, nach dem die Kultur auch heute eine entscheidende Rolle für das kirchliche Leben innehat. Um es mit dem von mir hochgeschätzten evangelischen Theologen Paul Tillich zu sagen: weil es in der Kirche ebenso wie in der Religion und dem Gottesglauben um die »Dimension der Tiefe in allen Funktionen des menschlichen Geistes«, also »in allen Bereichen des Geistesleben« geht, zu der die Kultur in erster Reihe gehört. Die enge Zusammengehörigkeit von Kirche und ihrer Kultur (zumal ihren Kirchenburgen und Schulen) bei den Siebenbürger Sachsen ist von hier aus auch theologisch legitim. Schließlich möchte ich es nicht unterlassen, daran zu erinnern: als Christ betrachtet man alle sog. »Leistungen« als Gnade des Gottes, der dazu die Gesundheit, die Kraft und vor allem den Glauben schenkt, dass das getane Werk sinnvoll und »nicht vergeblich ist in dem Herrn«, wie Paulus sagt. Mein geistlicher Dank gilt diesem »höchsten« Herrn. Ich habe mir vorgenommen, als sichtbares Zeichen meines Dankes und meiner Dankbarkeit für die Verleihung des Georg Dehio-Kultur-Hauptpreises, meine Vorträge, Reden und geistlichen Betrachtungen zu Fragen der Kultur in einem Sammelband herauszugeben, der Ihnen allen gewidmet sein soll, die zu diesem Festtag beigetragen haben. Der Preis, den ich heute erhalten habe, soll die Drucklegung des Bandes in Buchform ermöglichen und so ein Beitrag über die Kultur der Deutschen in Rumänien sein.

Ihnen allen spreche ich nochmals meinen bleibenden Dank aus für diese Ehrung, die unserer ganzen Kirche und Gemeinschaft gilt – und das im Sinne eines alten Dichterwortes von Robert Reinick:

Dank mit dem Mund hat wenig Grund
Im Herzen Dank ist guter Klang.
Dank mit der Tat: das ist mein Rat.

Bischof emeritus D. Dr. Christoph Klein

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