11.10.2018

Laudatio von Doris Akrap auf den Schriftsteller Miljenko Jergović aus Anlass der Verleihung des Hauptpreises des Georg Dehio-Buchpreises 2018

Laudatio von Doris Akrap, gehalten am 10. Oktober 2018 in Berlin
Laudatio von Doris Akrap, gehalten am 10. Oktober 2018 in Berlin
Laudatio von Doris Akrap auf den Schriftsteller Miljenko Jergović aus Anlass der Verleihung des Hauptpreises des Georg Dehio-Buchpreises 2018
Jugoslawien, Familie, Autos, Fußball – in ihrer Laudatio auf den Schriftsteller Miljenko Jergović (und die Übersetzerin Brigitte Döbbert) anlässlich der Verleihung des Hauptpreises des Georg Dehio-Buchpreises 2018 beleuchtet die Journalistin Doris Akrap das breite literarische Spektrum dieses europäischen Erzählers.

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Sehr geehrter Miljenko Jergović,

sehr geehrte Brigitte Döbert,

sehr geehrte Damen und Herren,

Sie alle kennen das, wenn jemand eine Geschichte aus seiner Familie erzählen will und bei der verstorbenen Mutter der schönen Cousine dritten Grades beginnt, deren nach Übersee ausgewanderter Großonkel der Taufpate der jüngsten Tochter der drittältesten reichen Tante des Schwiegervaters ist und dessen einzig noch lebende Schwester die geizige Stiefmutter des jüngsten Urenkels vom ermordeten Großcousin ist, dem der Gebrauchtwagenhandel im Geburtsort der geschiedenen Mutter in dritter Generation gehörte, den jetzt ein kleinkrimineller Bekannter des tauben Nachbarn betreibt.

Die Journalistin Doris Akrap hielt die Laudatio auf Miljenko Jergović und Brigitte Döbert.

Jeder hat eine Familiengeschichte zu erzählen, aber nicht jeder kann es. Einen guten Erzähler erkennt man daran, dass er die Verwandt- und Bekanntschaftsbeziehungen so darstellen kann, dass man trotz hohem Unübersichtlichkeitsfaktor unbedingt die ganze Familiengeschichte hören will. Was bei den meisten nach Staub, Stammbaum und Langeweile klingt, wird in den Händen von Könnern ein Porträt individueller Besonderheit im Kontext eines Gesellschaftspanoramas, das eine aufgeklärte Familie und eine wirklich freiheitliche Gesellschaft sich als Ansichtspostkarte ins Familien- bzw. Nationalmuseum hänge müsste.

Ein solcher Könner ist Miljenko Jergović und ich wünsche jeder Familie, jedem Staat, jeder Nation und jeder Region, jedem Sohn, jeder Tochter, jedem Vater und jeder Mutter einen Schriftsteller wie ihn. Auch wenn man sicher sein kann, dass man nach seiner Erzählung vor den Trümmern der eigenen Geschichte, der eigenen Erinnerung, der eigenen Gefühle, der eigenen Erklärungen steht: der radikalen Schonungslosigkeit, mit der Jergović die katastrophalen Folgen kollektiver und autoritärer Zuschreibungen für die Individuen beschreibt, liegt die radikale Überzeugung zugrunde, dass jeder Mensch ein tief verwundbares und tief verwundetes Wesen ist, bei dem es immer irgendwo etwas aufzutreiben gibt, was nicht ganz aufgeht, was nicht verheilt ist und nicht verheilen kann.

Man muss nicht zu Homers Götterepen oder den Veteranenerzählungen aus dem Schützengraben greifen, wenn man einen Ort sucht, an dem Unglück, Trauer, Gewalt und moralische Abgründe auf einem Haufen liegen. Es reicht in der Regel ein Blick in das eigene Familienalbum.

»Jede Familie« so Miljenko Jergović in Die unerhörte Geschichte meiner Familie »gründet wie jede kulturelle, verwandtschaftliche oder häusliche Gemeinschaft auf einer Illusion«. Die Illusion besteht im Glauben an Gemeinsamkeiten, Kontinuitäten, Zusammenhalt. »Vater, zwei Onkel und ich haben dasselbe Sarajever Gymnasium besucht«, so lautet der erste Satz des Romans. Was Jergović aber auf den folgenden 1118 Seiten über die Familie Stubler erzählt, weist nur eine Kontinuität auf: die des Verlusts in Form von Toten, Vergessenen, Ausgestoßenen und Verlierern.

Was Familiengeschichten ausmachen, sind die unübersichtlich verwobenen, lose und eng verknoteten, sehr dünnen und sehr dicken Fäden, mit denen das Personenregister allerdings nicht nur über Blutverwandt- und Patenschaften verbunden ist. Es ist vor allem verbunden über das Ausgesprochene und Verschwiegene, über Schuld und Schulden, über Verantwortung und die Abwesenheit von Verantwortung, über Enttäuschungen, Lügen, Distanzierungen, Distanzen und Hass. Und so ist es eben auch mit der Gesellschaft einer staatlichen Einheit. »Jugoslawien«, heißt es in Vater, »war eine innerfamiliäre Angelegenheit«.

Der Roman erschien 2017 im Verlag <i>Schöffling & Co.</i>

In Die unerhörte Geschichte meiner Familie werden jahrhundertealte Familienbande, die in alle Ecken Europas reichen, zusammengeführt. Urgroßvater Karlo Stubler, ein Eisenbahner und Deutscher aus dem Banat, ist mit seiner Familie als Kuferaschen nach Bosnien gekommen, als Kofferkinder. So, lernen wir bei Jergović, nannte man in Bosnien Leute, die sich unter Kaiser Franz Joseph aus allen Teilen der österreich-ungarischen Monarchie auf dem Balkan ansiedelten, weil sie dort Arbeit und Steuererleichterungen bekamen.

Diese Einwanderer, die vermeintlich aus Koffern lebten, schufen eine ganz eigene Identität jenseits der Nationalität: Aus den ständig wechselnden Herrschaften und ideologischen Wetterumschwüngen von Monarchie über Sozialismus zu Nationalismus auf dem Balkan halten sie sich raus. Je abwesender jedoch die politischen Frontkämpfe sind (dass sich der älteste Sohn der Großmutter der Wehrmacht anschloss, ist eher ein Unfall), desto härter erscheinen die innerfamiliären Frontkämpfe um Schuld und Verantwortung für das Schicksal der Einzelnen in diesem mal fiesen, mal grotesken, mal etwas hübscheren 20. Jahrhundert auf dem Balkan.

Es wäre nicht richtig, Miljenko Jergović dafür Ehre zu erweisen, weil er Chronist der verzweigten und verdrängten Familien- und damit Gesellschaftsgeschichte des Balkans ist. Jergović ist zwar auch das. Aber mehr als das, ist er ein Chronist der in Europa am meisten Leid hervorbringenden Frage nach der Identität.

In seiner Erzählung Vater schreibt er:

»Ich war ganz der Vater. Zum Glück, denn wäre ich ganz die Mutter gewesen, hätte man gefragt, wer der Vater ist. Von der Frage geht unsere lebenslange Suche nach Identitäten, Familien- und Sozialgeschichten aus, mehreren gemeinsamen und getrennten Nationalgeschichten, von Kriegen so durchsetzt wie ein alter Körper von Metastasen; aus der Frage nach dem Vater des Kindes, die niemals rhetorisch ist und auch dann gestellt wird, wenn an der Antwort keinerlei Zweifel besteht, entstanden in Kombinationen mit fünf Jahrhunderten Türkenherrschaft Volksbefreiungskriege, serbische Aufstände und kroatische Bauernerhebungen; gäbe es diese unsere erste Frage nicht, die gewöhnlich von der Schwiegermutter (…) aufgeworfen (…) wird, bis am Ende innerhalb einer Familie oder innerhalb der Nation, der bei uns wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit primitivsten Form der Identitätskrise, mal mehr und mal weniger Blut fließt; ohne diese Frage wüssten wir tatsächlich nicht, wer oder was wir sind (…) und dass man in unserer balkanisch-mitteleuropäischen Welt (…) Menschen einteilt in jene, die der Mutter und jene, die dem Vater ähneln.«

Er ist also weniger der Chronist der Schrecken des Balkans, er ist der Chronist der menschlichen Schmerzen, die Tod, Verlust, Verbrechen, Schuld, Verantwortung und das Verdunkeln der eigenen Täterschaft, die nationale Inszenierung jedem Einzelnen bringen. Er ist der Chronist der multiplen Identitätsfragmente, die keineswegs nur aus Bestandteilen sind, die man stolz vor sich hertragen kann, sondern aus banalen Dingen wie beispielsweise ein Scheidungskind zu sein, wie Jergović in Vater schreibt.

Identität ist für einige der Protagonisten Jergovićs auch in ihren Autos begründet. Oft wird das Wort vom Road-Movie benutzt, wenn es darum geht, einen Roman als rasantes Abenteuer zu klassifizieren. Meistens ist damit dann gemeint, dass allerhand unvorhergesehene Dinge am Wegesrand passieren, Autopannen, schrille Tankstellenwärter, Hippies und irgendein Verbrechen. In Jergovićs Auto-Trilogie sind der silberne Buick Rivera (Baujahr 1963), der orangene Volvo (Baujahr 1975, unfallfrei) und der Wolga (Baujahr 1971) nicht einfach nur ein Accessoire, das auch durch einen LKW oder ein Bahnabteil ersetzt werden könnte. Die Autos sind Teil der Geschichte der Besitzer, Teil ihrer Identität und deswegen auch Teil ihres Problems.

Miljenko Jergović bei seiner Dankesrede, in der er auch über (Nicht-)Zufälle der Geschichte sprach. So ging er spontan auf das Monumentalgemälde »Der Berliner Kongreß von 1878« des Malers Anton von Werner ein, das im Festsaal des Roten Rathauses an der Wand hängt: »Hätte es diesen Kongress nicht gegeben, wäre mein Urgroßvater nicht nach Bosnien gekommen.« Rechts seine Dolmetscherin Irena Katadžić.

Hasan Hujdur stellt sich sein Leben dann als ein Gutes vor, wenn ihn sein »alter amerikanischer Freund«, der Buick Rivera, nicht im Stich lässt, der dann aber im kanadischen Straßengraben enden wird. Der Volvo des pensionierten Geschichtslehrers Karlo Adum (in Freelander) ist »der letzte Freund, der ihm bleibt«. Und so ist das Auto auch der letzte und einzige Zeuge all der schmerzlichen Verluste in seinem Leben. Was wären die Erzählungen unserer Väter und Mütter ohne die Geschichte ihrer Autos? Kaum jemand wird sich heute daran erinnern, mit welcher Airline er in den ersten gemeinsamen Urlaub geflogen ist. Aber noch bis vor nicht allzu langer Zeit war ein Detail der Erinnerung das Auto, mit dem man unterwegs war.

Der Schriftsteller und Essayist Jergović ist ein so raffinierter wie sorgfältiger Komponist. Sein elliptisches Erzählen folgt eingeschliffenen Erinnerungsspuren, unvorhersehbaren Einbildungen und automatisierten Selbstvergewisserungen des Ich-Erzählers. In Karlo Adum und seinem Volvo schafft Jergović in einer einzigen Figur die ganze Widersprüchlichkeit des Experiments Jugoslawien. Das intensive Ausleuchten seiner Figuren führt dazu, dass man den Angstschweiß von 30 Jahr en in den Polstern dieser Autos meint riechen zu können. Die subkutanen und deutlichen Verweise, die Abschweifungen und Fluchtwege aus den großen Erzählbahnen, die Jergović häufig unternimmt, hemmen die Unmittelbarkeit seiner Prosa nicht, sondern machen die vorgeführten labyrinthischen Gedanken- und Gefühlswelten nur noch lebendiger. Das aber ist nicht nur ein Ergebnis des großen erzählerischen Könnens. Es ist auch die Einsicht, dass es kaum etwas gibt, was geradlinig erzählbar wäre.

Der Literat, vor allem der aus anderen Ländern, wird bei uns meist so verhandelt wie die moralische Superinstanz. Findet gerade irgendwo ein Genozid statt, fragen wir den bekanntesten Autor des Landes, ob er uns ein Essay darüber schreiben kann, wo denn all die Gewalt herkommt.

Als wäre der Schriftsteller der bessere Soziologe, wird er auf Podien eingeladen, weil er die vermeintlich glaubhaftere, unkorrumpierte Stimme ist, die uns Ausländern berichten kann, wie es „da unten“ wirklich ist. Das ist schon einigermaßen interessant, wo der Autor ja qua Beruf ein Übertreiber und Erfinder, ein Träumer und Fiktionalisierer ist. Also eigentlich einer, den man auf der Seite jener Nationalisten vermuten müsste, die sich eine Geschichte zusammenreimen und bis aufs Blut verteidigen, die so nie stattgefunden hat, um die Macht zu erhalten.

Das Widersprüchliche ist gerade im unabhängigen Staat Kroatien nicht wirklich erwünscht. Die zweifelsfreie Opfererzählung der Kroaten darf nichts stören. Jergović aber stört.

Mit dem Preis, der ihm heute hier verliehen wird, will das Deutsche Kulturforum östliches Europa jene ehren, die »das gemeinsame kulturelle Erbe der Regionen des östlichen Europa, in denen im Laufe der Geschichte auch Deutsche gelebt haben, erforschen und präsentieren und damit den interkulturellen Dialog und das gegenseitige Verständnis fördern«. Es ist sehr gut und sehr schön, dass die Absicht von einem, der von vielen als Störenfried betrachtet wird, erkannt wird: verstehen wollen und verständlich machen.

Nun ist es gerade im Fall des ehemaligen Jugoslawien so, dass wir so gerne wissen wollen, warum das alles so mächtig schief gegangen ist. Miljenko Jergović liefert dafür sicher keine Erklärung. Mit seinen immer wieder auch essayhaften Überlegungen in seiner Prosa liefert er uns aber Seelenlandschaften, die uns mit den Achillesfersen und Verwundbarkeiten der Gesellschaft bekannt machen. Und wir lesen seine Romane sicher auch deswegen mit so großer Begeisterung, weil uns diese Achillesversen nicht fremd sind. Sie finden in unserer Gesellschaft ähnlich empfindliche Stellen. Nur haben wir da schon länger ganz gute Behandlungsmethoden gefunden. Und die, das wird Jergović nicht müde, immer wieder zu betonen, liegt in der Aufarbeitung der Vergangenheit, im »deutschen Erinnern«, wie er sie nennt und die er als Wegweiser für ganz Europa sieht.

Jergović lesen heißt aber auch als deutsch sozialisierte Leserin über Deutschland lernen. Zum Beispiel über den polnischen Fußballer Ernst Willimowski, dem einzigen Spieler, der als Torschütze sowohl gegen Deutschland (am 9. September 1934 beim 2:5 in Warschau) als auch für Deutschland erfolgreich war (13 in 8 Spielen). Aus dem schlesischen Grenzgebiet kommend, seine Mutter wurde im Konzentrationslager umgebracht, bekannte er sich, um zu überleben, zu den Deutschen und war damit nach 1945 in Polen eine unerwünschte Person. Bei der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland wollte Willimowski das Hotel besuchen, in dem die polnische Nationalmannschaft untergebracht war, um sich mit ihnen zu unterhalten. Sie haben ihn nicht empfangen.

Ich kannte diese Geschichte nicht. Und leider können wir die literarische Verarbeitung dieser Geschichte der uneindeutigen Identitäten nicht lesen, denn das Buch ist bisher nur auf Kroatisch und Polnisch erschienen.

Überhaupt Fußball. Jergović ist großer Fußballfan. In einem Kommentar zum legendären Halbfinale Brasilien – Deutschland der WM 2014 erzählt er davon, wie die kroatischen Reporter in diesen magischen ersten 29 Minuten »Ein deutscher Blitzkrieg«, riefen. »Eine hässliche und unangemessene Metapher« kommentiert Jergović, »für die man sie sofort zu einer kurzen Umerziehung in eine zuständige Institution schicken müsste, zum Beispiel ins Kino, wo sie ein paar Tage Dokumentarfilme von 1939 und den darauffolgenden Jahren anschauen müssten, in der Hoffnung, dass sie endlich begreifen, dass man manche Symbole und Wörter nur in einem bestimmten Sinn und Zusammenhang verwenden sollte. Nicht alle Wörter sind frei und können zu Metaphern gemacht werden. Manche Wörter sind lebendige Gräber.«

Die Georg Dehio-Buchpreisträger 2018 mit Blumen in der Hand von links: Alvydas Šlepikas, Markus Roduner und Miljenko Jergović. Brigitte Döbert fehlt krankheitsbedingt. Rechts daneben Dr. Günter Winands, BKM. Links außen Winfried Smaczny und ganz rechts Harald Roth vom Deutschen Kulturforum östliches Europa.

Was für ein präziser Satz. Man wird in Miljenko Jergovićs Büchern lange danach suchen müssen, um ein Wort oder einen Satz zu finden, der auf billige Pointe schielend, historische Ungenauigkeiten in Kauf nimmt. Akribisch wie ein Wissenschaftler ist seine Prosa und das, obwohl allein in seinem deutschen Wikipedia-Eintrag über 25 Romane und Erzählungen aufgeführt sind, allerdings unter dem Vermerk »Auswahl«. Noch in seiner Suada gegen das Kroatentum ist er so exakt, satirisch und scharf, dass man ihn den Karl Kraus Kroatiens nennen könnte, nicht nur wegen der Alliteration.

Miljenko Jergović einen kroatischen Autor zu nennen, wäre aber unzutreffend. Immerhin hat er die Staatsangehörigkeit dieses Landes nur bekommen, nachdem er sich hat taufen lassen – als Atheist wohlgemerkt. Auch wäre es falsch, ihn als bosnischen Erzähler zu bezeichnen, denn dort gilt er wie in Kroatien als Vaterlandsverräter. Es gibt nur eine Beschreibung, die auf ihn passt: er ist ein europäischer Erzähler. Er ist einzusortieren nicht unter Balkan-Literatur, sondern unter Weltliteratur.

Was der Autor darstellt, ist kein Problem des Balkans, sondern das grundlegende Muster, die grundlegenden Schichten und die Stammbäume Europas. Die europäische Identität ist genauso vielschichtig und genauso verwundbar, genauso vage wie umstritten und umkämpft wie sie es auf dem Balkan ist. In Zeiten, in denen reaktionäre und faschistische Tendenzen sich wieder »zurückholen«, was ihnen die Europäisierung vermeintlich weggenommen hat, ist ein Autor wie Jergović nicht nur in Sarajevo oder Zagreb interessant. Damit der europäische Gedanke der Einheit in der Zerrissenheit nicht so wie der Buick Rivera im Straßengraben von Brüssel landet, ist es gut, dass es mutige Autoren wie Jergović gibt, denen wir gar nicht dankbar genug für ihren Mut sein können, sich zwischen alle Stühle zu setzen.

Die Übersetzerin Brigitte Döbert musste ihre Teilnahme an der Preisverleihung leider krankheitsbedingt absagen.

Dankbar müssen wir aber auch der Übersetzerin Brigitte Döbert sein. Denn, dass wir die Prosa Jergovićs überhaupt adäquat lesen können, ist in erster Linie ihr zu verdanken, die übrigens zur Rolle der Ästhetik bei Fichte promoviert und zuvor ihr Studium zur Ästhetik bei Georg Lukacs abgeschlossen hat. Es gibt derzeit keine bessere Übersetzung aus dem Kroatischen, Serbischen, Bosnischen. Das hat 2016 auch die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse gewürdigt, die ihr anlässlich der Übersetzung von Bora Ćosić’ Die Tutoren die Auszeichnung in der Kategorie »Übersetzung des Jahres« verlieh. Ein Buch, das über 40 Jahre alt ist und von deren Übersetzung der Autor Ćosić sagte: Ich habe damit kaum etwas zu tun. Die Übersetzerin musste so viel erfinden, das ist jetzt zu ihrem Buch geworden.

Es ist ja bisher nur ein Bruchteil übersetzt. Ganz zu schweigen von seinen Feuilletons und Essays in den Zeitungen Feral Tribune, Globus und Jutarnji List, der größten kroatischen Tageszeitung, in der Miljenko Jergović bis heute arbeitet.

Ich wünsche dem Autor und den deutschen Lesern, dass Brigitte Döbert noch mehr von dem übersetzen kann, was Jergović schreibt und gratuliere beiden von Herzen zu der Auszeichnung mit dem Georg Dehio-Preis.

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