Der Autor und Slawist erhielt 2010 den Hauptpreis des Georg Dehio-Buchpreises für sein publizistisches und literarisches Lebenswerk.

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Der Autor und Slawist erhielt 2010 den Hauptpreis des Georg Dehio-Buchpreises für sein publizistisches und literarisches Lebenswerk.
Der Autor und Slawist erhielt 2010 den Hauptpreis des Georg Dehio-Buchpreises für sein publizistisches und literarisches Lebenswerk.
Martin Pollack

Martin Pollack wurde 1944 in Bad Hall, Oberösterreich, geboren. Er studierte Slawistik und osteuropäische Geschichte in Wien und Warschau. Von 1976 bis 1984 war er geschäftsführender Redakteur bei der kulturpolitischen Monatszeitschrift Wiener Tagebuch. Danach arbeitete er als freier Journalist und Übersetzer. Von 1987 bis 1998 war er Korrespondent des Spiegel zuerst in Wien und dann in Warschau. In seiner anschließenden Zeit als freier Autor und Übersetzer aus dem Polnischen machte er durch seine sprachliche und kulturelle Mittlerarbeit zahlreiche Schriftsteller in Deutschland bekannt, darunter den bedeutenden Journalisten Ryszard Kapuściński, Wilhelm Dichter, dessen zentrales Thema der Antisemitismus in Polen ist, und den Journalisten Mariusz Wilk mit seinen Berichten aus Russland.

Martin Pollack schrieb als einer der ersten über die historischen Regionen der Bukowina und Galizien. 1984 erschien sein Buch Nach galizien – von Chassiden, Huzulen, Polen und Ruthenen. Eine imaginäre Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina, das in mehreren Auflagen erschien und 2001 als überarbeitete Taschenbuch-Ausgabe im Insel Verlag herausgegeben wurde. Er rückte so deren untergegangene multiethnische Welt und ihre literarischen Chronisten wieder in das Blickfeld einer breiteren Öffentlichkeit.

Als Herausgeber und Übersetzer machte er dem deutschen Lesepublikum auch andere ehemalige Kulturlandschaften des östlichen Europa bekannt, aber auch hochwertige polnische Reportagen zugänglich, so in dem von ihm herausgegebenen Sammelband Von Minsk nach Manhattan (2006). In seinen eigenen Reportagen – etwa über polnische Zwangsarbeiter nach 1945, die Geschichte eines SS-Sturmbannführers oder die Solidarność und die politische Wende in Polen, erschienen in der Sammlung Warum wurden die Stanislaws erschossen? (2008) – geht er von individuellen Erlebnissen und persönlichen Begegnungen aus, um große zeithistorische Zusammenhänge und Entwicklungen darzustellen. Dabei bezieht er in seinem Buch über seinen Vater, Der Tote im Bunker, auch seine eigene Familiengeschichte ein. Martin Pollacks Essays und Reportagen, zum Teil mit historischen Fotos und Zeichnungen illustriert, trugen wesentlich dazu bei, das literarische Sachbuch als Genre wiederzubeleben.

Auch im Hintergrund setzte sich Martin Pollack für die Förderung der Übersetzung wichtiger Werke aus dem Polnischen ein. So verdankt sich seiner Initiative die deutsche Ausgabe der Reportagensammlung Die Nacht von Wildenhagen von Włodzimierz Nowak, für die der Autor und seine Übersetzerin Joanna Manc mit dem Ehrenpreis des Georg Dehio-Buchpreises 2010 ausgezeichnet werden.

Im September 2010 erscheint im Zsolnay Verlag ein neues Werk von Martin Pollack. Kaiser von Amerika. Die große Flucht aus Galizien erzählt von Emigrantenschicksalen aus dem damaligen Armenhaus der Habsburgermonarchie um 1900 und beleuchtet damit ein bislang selten populär thematisiertes historisches Phänomen: die Auswanderung von Ukrainern, Juden, Polen und Angehörigen anderer Bevölkerungsgruppen aus Osteuropa nach Amerika.

Martin Pollack erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Diplom des Außenministers der Republik Polen für hervorragende Verdienste um die Förderung Polens in der Welt (2000), das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen und den Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung (beide 2003), den Toblacher Prosapreis (2006), den Karl-Dedecius-Preis der Robert-Bosch-Stiftung für polnische und deutsche Übersetzer, den Mitteleuropäischen Literaturpreis »Angelus« und den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz im Denken und Handeln (alle 2007).

Bibliographie

  • Nach Galizien. Von Chassiden, Huzulen, Polen und Ruthenen. Wien: Brandstätter Verlag 1984
  • Des Lebens Lauf. Jüdische Familien-Bilder aus Zwischeneuropa. Wien: Brandstätter Verlag 1987
  • Galizien. Eine Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina. Frankfurt a. M.: Insel Verlag 2001
  • Anklage Vatermord. Der Fall Philipp Halsmann. Wien: Zsolnay Verlag 2002
  • Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater. Wien: Zsolnay Verlag 2004
  • (Hg.) Sarmatische Landschaften. Nachrichten aus Litauen, Belarus, der Ukraine, Polen und Deutschland. Frankfurt a. M.: S. Fischer Verlag 2006
  • (Hg.) Von Minsk nach Manhattan. Polnische Reportagen. Wien: Zsolnay Verlag 2006
  • Warum wurden die Stanislaws erschossen? Essays und Reportagen. Wien: Zsolnay Verlag 2008

Links

Martin Pollack
Weitere Informationen über den Autor auf den Internetseiten der Zsolnay & Deuticke – Hanser Literaturverlage

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