12.03.2016 - 29.05.2016
Ostpreußisches Landesmuseum | Neubau
Heiligengeiststraße 38, 21335 Lüneburg, Deutschland

Wolfskinder

Ausstellung mit Begleitprogramm: Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen

Eine Lesung mit Brigitte Trennepohl.

»Sofern es überhaupt ein ›Bewältigen‹ der Vergangenheit gibt, besteht es in dem Nacherzählen dessen, was sich ereignet hat; aber auch dies Nacherzählen, das Geschichte formt, löst keine Probleme und beschwichtigt kein Leiden, es bewältigt nichts endgültig, es hilft aber, ›die innere Wahrheit des Geschehens so transparent in die Erscheinung‹ zu bringen, daß man sagen kann: Ja, so ist es gewesen.«
Hannah Arendt

Hunderttausende Deutsche flohen Ende des Zweiten Weltkrieges vor der Roten Armee aus Ostpreußen und Königsberg. Immer wieder gingen Kinder auf der Flucht verloren oder erlebten die Ermordung der eigenen Familie. Andere mussten ohnmächtig mit ansehen, wie ihre Geschwister verhungerten, die Großeltern aus Schwäche starben oder die Mutter einer Epidemie erlag. Auf sich alleine gestellt, versuchten diese Kinder in der freien Natur des Baltikums zu überleben. Gegen Hunger, Kälte und sowjetische Willkür führten sie einen Kampf um Leben und Tod.

Einige fanden Unterschlupf bei litauischen Bauern, die sie heimlich aufnahmen und notdürftig versorgten. Im Gegenzug halfen die Kinder auf den Höfen aus. Eine Schulbildung blieb den meisten verwehrt, ein Großteil kann bis heute weder lesen noch schreiben. In der Regel erhielten die Kinder eine neue Identität und litauische Namen, um ihre Herkunft zu verschleiern. So blieben sie Jahrzehnte hinter dem Eisernen Vorhang zurück ohne dass ihr Schicksal einer größeren Öffentlichkeit bekannt war. Seit dem Fall der Sowjetunion Anfang der neunziger Jahre veränderte sich auch das Leben der Wolfskinder.

Vermisst, verloren, vergessen …

Die Wanderausstellung »Wolfskinder – Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen« dokumentiert in nie zuvor gezeigten Bildern und Textzeugnissen den Weg der Wolfskinder bis heute. Die Ausstellung basiert auf einem Oral History Projekt der Fotografin Claudia Heinermann und der Journalistin Sonya Winterberg. Für diese einzigartige Dokumentation reisten sie über mehrere Jahre nach Litauen, um die dort lebenden Wolfskinder zu besuchen. Mit ihnen sprachen sie über die Erlebnisse der Kindheit, die Flucht und das Leben hinter dem Eisernen Vorhang – ohne Wurzeln und voll der Sehnsucht nach Familie und Verwandten. Ihre bewegenden Schicksale werden so dem Vergessen entrissen und öffnen sich zu einem vielschichtigen Panorama der Zeitgeschichte.

Eröffnung

Freitag, 11. März 2016
19:00 Uhr
Eintritt frei

Begleitveranstaltungen

Sonnabend, 12. März 2016, 16:00 Uhr
Wolfskinder – Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen
Podiumsdiskussion mit Claudia Heinermann, Sonya Winterberg, PD. Dr. Joachim Tauber und Dr. Joachim Mähnert

Sonntag, 13. März 2016, 12:00 Uhr
Wolfskinder – Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen
Führung durch die Ausstellung mit Claudia Heinermann, Fotografin und Kuratorin der Ausstellung

Montag, 21. März 2016, 19:00 Uhr
Mein Name ist Marytè
Lesung mit dem Alvydas Šlepikas sowie Regina Pressler, Markus Roduner und Gabriele Žaidyte

Mittwoch, 6. April 2016, 19:00 Uhr
»Das Wiegenlied der Wolfskinder« von Johanna Ellsworth
Lesung mit Brigitte Trennepohl

Dienstag, 26. April 2016, 19:00 Uhr
Wolfskinder
Ein Film über den Überlebenskampf tausender elternloser deutscher Kinder in Ostpreußen nach dem Zweiten Weltkrieg

Öffnungszeiten

Dienstag – Sonntag
12:00 – 17:00 Uhr

Das Buch zu Ausstellung

Wolfskinder, Fotos Claudia Heinermann, Texte Sonya Winterberg, Epilog Wolfgang Frhr. v. Stetten
50,00 €, ISBN 978-90-814089-3-6

Ausführliche Informationen zum Projekt:
www.wolfskinder.eu

Eine Ausstellung des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Zusammenarbeit mit dem Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg

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