28.04.2017 - 20.05.2017
Botschaft der Republik Litauen
Charitestraße 9, 10117 Berlin, Deutschland

Reformation im östlichen Europa – Polen-Litauen und Preußenland

Ausstellung. Zum Jahresthema des Deutschen Kulturforums 2017 »Mehr als Luther. Reformation im östlichen Europa«

Reformatorische Strömungen wurden in Polen-Litauen vom König zunächst bekämpft. Lediglich im Herzogtum Preußen, seit 1525 ein Lehen der polnischen Krone, konnte sich die Reformation ungehindert entfalten. In den deutschsprachigen Städten des Königlichen Preußen wurde sie lange behindert oder brutal unterdrückt, etwa in Danzig 1526. Erst mit König Sigismund II. August gewann die Reformation ab 1548 deutlich an Rückhalt: 1555 wurde dem Adel Glaubensfreiheit zugestanden, 1559 das Luthertum im Königlichen Preußen anerkannt. Die reformierte (calvinistische) Glaubensrichtung hatte ihre Anhänger vor allem in Kleinpolen und in Litauen. In der sogenannten Konföderation von Warschau wurden 1573 allen konfessionellen »Dissidenten« die gleichen Rechte zugestanden, die die Katholiken besaßen. Polen-Litauen wurde zum Zufluchtsland für Glaubensflüchtlinge und die religiöse Freiheit für mehrere Jahrzehnte zum Kennzeichen des Königreichs.

Lutheraner, Reformierte und Böhmische Brüder hatten 1570 im Consensus von Sandomir zeitweilig eine gemeinsame Handlungsgrundlage gefunden. Schon mit der Union von Brest 1596, in der ein großer Teil der Orthodoxen in die katholische Kirche gedrängt wurde, ließ sich die neuerliche Dominanz des Katholizismus erkennen. Wechselnde religiöse Interessen der Könige und des Adels verhinderten eine Etablierung der protestantischen Konfessionen. Im 17. Jahrhundert verschwanden die Reformierten nach Kriegswirren weitgehend, die Lutheraner erhielten trotz Dezimierung Zuzug von deutschen Glaubensflüchtlingen aus Schlesien, die Böhmischen Brüder hingegen aus den böhmischen Ländern. Die Unitarische Konfession, die ab den 1560er Jahren bestand und die göttliche Dreieinigkeit ablehnte, wurde 1658 verboten. Die weitere Verfolgung der Evangelischen gipfelte im Kirchenbauverbot von 1717 und dem Blutgericht von Thorn 1724, schließlich in einem Bürgerkrieg ab 1768.

In den Teilungsgebieten Polens gestaltete sich die Lage ab 1772 unterschiedlich: Während die Protestanten in Preußen in die Kirche der staatlich verordneten Union von Lutheranern und Reformierten einbezogen wurden, ansonsten aber Staat und katholische Kirche sich vielfach rieben, bildeten die Evangelischen im habsburgischen Galizien oder in Kongresspolen kleine Minderheiten, die in beiden Fällen durch Zuwanderung erstarkten.

Im neu entstandenen Polen der Zwischenkriegszeit gab es rund eine halbe Million Protestanten, von denen 90 Prozent Deutsche waren. Mit Flucht, Vertreibung und Aussiedlung der Deutschen ab 1944 vom Gebiet des heutigen Polen ging der Protestantismus jedoch nicht unter, sondern wurde von polnischen Evangelischen fortgeführt. Schwerpunkte der Evangelisch- Augsburgischen Kirche mit fünf Diözesen bilden das Teschener und Kattowitzer Schlesien, Masuren und Warschau.

Ausstellungseröffnung

Donnerstag, 27. April 2017, 18:30 Uhr
500 Jahre Reformation in Litauen
mit Buchvorstellung
weitere Informationen

Wanderausstellung

Die Wanderausstellung »Reformation im östlichen Europa« besteht aus einer Überblicksdarstellung sowie sechs Regionalmodulen:

  • Polen-Litauen und Preußenland (dt./poln.)

  • Pommern und Ostbrandenburg (dt./poln.)

  • Schlesien (dt./poln.)

  • Böhmen und Mähren (dt./tschech.)

  • Oberungarn/Slowakei (dt./slow./ung.)

  • Siebenbürgen (dt./rum./ung.).

(Die ersten Stationen wurden im September eröffnet, bis Frühjahr 2017 folgen alle weiteren Module.)

Eine Wanderausstellung des Deutschen Kulturforums östliches Europa im Rahmen des Jahresthemas 2017: Mehr als Luther. Reformation im östlichen Europa. Gezeigt in Zusammenarbeit mit der Botschaft der Republik Litauen

Lage


2017-04-28 00:00:00
2017-05-20 23:59:59