21.08.2007 - 15.09.2007

Der kleine Frieden – Aufbruch an der Memel

Fotoausstellung anlässlich des zweihundertjährigen Jubiläums des Tilsiter Friedens

Portal der Königin-Luise-Brücke in Sowjetsk Alle Fotos auf dieser Seite:
Der ehemalige Bauarbeiter Horst »Willi« Potschies und seine Frau Danutė Počienė, Hausfrau, in Panemunė
Wohnzimmer der früheren Kolchosarbeiterin Eugenia Steponaitienė in Bitėnai/Bitthenen
Lenin-Platz in Sowjetsk

Autoren: Martin Rosswog (Fotografien) und Ulla Lachauer (Texte) • In Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Russischen Haus Kaliningrad und dem Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Kaliningrad

»Irgendwo sind so viel Himmel, wie die Zwiebel Häute hat«, schrieb der Tilsiter Dichter Johannes Bobrowski über seine Heimat an der Memel. Jahrhunderte lang kreuzten sich hier die Wege vieler Völker. Nach der Vertreibung der Deutschen 1945, unter sowjetischer Herrschaft, entstand eine neue, ethnisch gemischte Gesellschaft. Heute ist die Region eine der interessantesten in Europa: Mitten durch die Memel, zwischen der Republik Litauen und der russischen Exklave Kaliningrad, verläuft die EU-Außengrenze. Ein geopolitisches Paradox: Am Ostufer des Stroms ist Westen, am Westufer Osten.

Im Juli 2007 wird das zweihundertjährige Jubiläum des Tilsiter Friedens gefeiert wird, die Begegnung dreier Herrscher auf einem Floß im Memelstrom, und hochrangige Delegationen aus halb Europa kommen an diesem welthistorischen Schauplatz zusammen. Das Provinzstädtchen, das heute Sowjetsk heißt, und die anmutig schöne Landschaft mit ihren einzigartigen Wolkenhimmeln stehen dann für einen Moment im Rampenlicht. Zeitgleich zur Feier des großen Friedens wird dort die Ausstellung Der kleine Frieden – Aufbruch an der Memel eröffnet.

Sie zeigt fünfzehn Menschen von heute: jeweils ein Porträt, Bilder seiner Behausung und des Interieurs, sowie großformatige Panoramen der Landschaft, die die Person umgibt. Bilder und Geschichten von beiden Seiten des Stroms, ein Mikrokosmos, fünfzehn Kilometer rund um die berühmte Königin-Luisen-Brücke.

  • Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Milieus: eine junge Bauernfamilie, die sich unter EU-Bedingungen durchkämpft, ein Dorfschullehrerpaar, ein erfolgreicher Unternehmer, zwei Waisenmädchen, die in Sowjetsk eine Schneiderlehre absolvieren.
  • Menschen unterschiedlicher Nationalitäten: Russen und Litauer, sowie Angehörige der zahlreichen Minderheiten, etwa ein Donkosak, der 1945 mit der Roten Armee herkam, armenische Flüchtlinge aus Bergkarabach, eine kürzlich zugezogene russlanddeutsche Familie.
  • Mehrere Zeitschichten: das alte Ostpreußen, die sowjetische Ära und das hoffnungsvolle Neue, das gerade im Werden ist. In der Lebensgeschichte von Horst P., einem Deutschen, der auf litauischer Seite, direkt an der Brücke, wohnt, sind zum Beispiel alle Zeiten vereint.

Die Autoren

Martin Rosswog (Jg. 1950), Fotograf, arbeitet seit 1989 an einem großangelegten dokumentarischen Werk zu Interieurs traditioneller europäischer Wohngebäude. Eine Werkschau war 2005 im Rheinischen Landesmuseum Bonn zu sehen.
Veröffentlichungen (Auswahl): Menschenbilder 1989, Ländliche Innenräume 1996, Hausgeschichten. Deutsche Spuren in den Donauländern 2002, Heritage. Interieur – Porträt – Landschaft 2005).

Ulla Lachauer (Jg. 1951), Historikerin und Autorin, erforscht seit langem die memelländische Geschichte und hat die Region viele Male bereist.
Veröffentlichungen (Auswahl): Land der vielen Himmel. Memelländischer Bilderbogen 1992, Die Brücke von Tilsit. Begegnungen mit Preußens Osten und Russlands Westen 1994, Paradiesstraße. Lebenserinnerungen der ostpreußischen Bäuerin Lena Grigoleit 1996, Ostpreußische Lebensläufe 1998.

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Tags: DKF-Ausstellung

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