19.08.2006 - 15.10.2006

Das Estland der Gutshöfe

Zeugnisse deutschbaltischer Kultur

Alatskivi | Allatzkiwwi
Palmse/Palms

Eine Ausstellung von Ants Hein im Auftrag des Eesti Instituut, Tallinn • Eröffnung: Freitag, 18.08.2006, um 18.00 Uhr

Di-So 10.00–17.00 Uhr

In kaum einem anderen europäischen Land konnte der Adel seine privilegierte Machtposition so lange erhalten wie in den ehemaligen Ostseeprovinzen des Russischen Reiches, den heutigen Republiken Estland und Lettland. Viele der deutschbaltischen Adelsgeschlechter waren im Mittelalter im Zuge der Eroberung der von den damals heidnischen Esten, Liven und Letten besiedelten Gebiete ins Land gekommen. Die deutschbaltische Ritterschaft, die wenig mehr als ein halbes Prozent der Bevölkerung ausmachte, bildete auch nachdem das Gebiet im 18. Jahrhundert an Russland gefallen war, die politische und wirtschaftliche Führungsschicht. Ihr politischer Einfluss war nicht nur auf die Ostseeprovinzen beschränkt, deutschbaltische Adelige spielten im zaristischen Russland – am Petersburger Hof, in Militär und Verwaltung – eine wichtige Rolle.

Die Herrensitze waren Ausdruck dieser adeligen Macht. Viele von ihnen befinden sich auf dem Gebiet des heutigen Estland. Die größten Rittergüter umfassten eine Fläche von bis zu mehreren tausend Hektar, und die Zahl ihrer Bewohner erreichte in manchen Fällen fünf- bis sechstausend Einwohner.

Die Errichtung repräsentativer, in Stein ausgeführter Wohnhäuser begann im 17. Jahrhundert. Die im Stil des Barock und Klassizismus, später der Neogotik und anderen Formen des Historismus errichteten Herren- und Gutshäuser orientierten sich an der westeuropäischen Architektur der jeweiligen Epoche. Bei manchen bedeutenden Anwesen dienten konkrete westeuropäische Bauwerke als Vorbild. So nimmt das Schloss von Alatskivi/Allatzkiwwi deutlichen Bezug auf Balmoral Castle in Schottland. Bei der Errichtung von Gebäuden kleinerer Provinzgüter waren dagegen oft regionale Traditionen bestimmend.

Auch die Gestaltung russischer Adelssitze, die ihrerseits unter westeuropäischem Einfluss entstanden, wirkte auf die Anlage der Herrensitze ein. Die Blütezeit repräsentativer Gutshofanlagen begann in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts und dauerte mehr als anderthalb Jahrhunderte an. Ein Höhepunkt lag in den Jahren um 1800.

Mit dem Zusammenbruch des Zarenreiches 1917/18 und der Bildung der Estnischen Republik endete die Vorherrschaft des deutschbaltischen Adels. In der Sowjetischen Zeit bestand zunächst kaum Interesse an der architektonischen Hinterlassenschaft des deutschbaltischen Adels. Inzwischen hat dieses Vermächtnis jedoch seine Wertschätzung erfahren und die Herrenhäuser werden als ein Teil des kulturellen Erbes Estlands begriffen.

Die Fotoausstellung Das Estland der Gutshöfe. Zeugnisse deutschbaltischer Kultur wurde von Ants Hein im Auftrag des Eesti Instituut in Tallinn konzipiert und wird von der Botschaft der Republik Estland in Berlin vermittelt. Sie wird vom Deutschen Kulturforum östliches Europa in Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im Schloss Caputh gezeigt.

Anfahrt zum Ausstellungsort

Öffentliche Verkehrsverbindungen:

  • Mit der Regionalbahn bis Bahnhof Caputh-Schwielowsee oder Caputh-Geltow, ca. 20 Min. Fußweg
  • Mit dem Bus vom Hauptbahnhof Potsdam bis Haltestelle Schloss Caputh
  • Mit dem Schiff ab Anlegestelle Potsdam Lange Brücke zum Schloss Caputh

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Tags: DKF-Ausstellung

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