30.01.2019 , 18:00
Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum
Am Kanal 47, 14467 Potsdam, Deutschland

Der Breslauer Psalter Breslau im Fitzwilliam Museum in Cambridge

Das Werk und sein schlesischer Stifterkreis im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts. Ein Vortrag von Prof. Dr. Romuald Kaczmarek im Begleitprogramm der Ausstellung »Der Breslauer Psalter. Glanzlicht europäischer Buchkunst«

Der <i>Breslauer Psalter</i>: Auf der aufgeschlagenen Doppelseite sind zahlreiche aufwendig gestaltete Initialen sowie fünf Miniaturen am Rand die König David den Autor der Psalmen in verschiedenen Szenen zeigen.

Die Kuratorin des Fitzwilliam Museums, in dem der Breslauer Psalter aufbewahrt wird, Dr. Stella Panayotova, bezeichnet das Werk als »Glanzlicht europäischer Buchkunst« und »einen der am reichsten ausgestatteten Psalterien, die aus dem gesamten Mittelalter erhalten sind«. Es ist faszinierend, dass ein solches illuminiertes Buch auf dem weitab von den westlichen Kulturländern gelegenem Territorium, östlich der damaligen Grenzen des Reiches, entstehen konnte.

Nach dem neuesten Stand der Forschung entstand der Breslauer Psalter im Skriptorium des Zisterzienserklosters in Leubus/Lubiąż an der Oder in Schlesien. Bereits in der älteren Literatur wurde die Hypothese aufgestellt, dass die Herzogin von Schlesien, Anna von Böhmen, Gemahlin von Heinrich II. wahrscheinlich Auftraggeberin des Werkes war. Der Psalter war als ein luxuriöses Hochzeitsgeschenk für die Schwiegertochter Annas, Helene von Sachsen, die zweite Frau von Heinrich III., gedacht. Die Eheschliessung der beiden kann man nur ungefähr in die kurze Zeit nach 1259 und vor dem Tod des Herzogs im Jahr 1266 datieren.

Detail des Kalenderblattes Dezember | <i>Breslauer Psalter</i>, fol. 13r

An der Entstehung des reichen Bilderschmucks waren neben mitteleuropäischen, Künstler aus dem Paduaer-Venetianischen Raum tätig, darunter der Gaibana-Meister. Stilistische Vergleiche legen nahe, dass wohl auch Künstler aus Prag, der Heimat Annas, mitgewirkt haben. Die Entstehung des Psalters zeigt auch die europaweite kulturelle Vernetzung des Breslauer Herzogtums.

Ziel des Referates ist es, den Psalter selbst kunsthistorisch einzuordnen und das Land der Breslauer Piasten näherzubringen, mit seiner Kultur und Kunst zur Zeit der Herstellung dieses Psalters.

Referent

Prof. Dr. Romuald Kaczmarek, Universität Breslau/Wrocław

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Kooperation mit dem Quaternio Verlag Luzern und der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam.

Die Ausstellung Der Breslauer Psalter – Glanzlicht europäischer Buchkunst wird vom 24. Januar bis 2. März 2019 gezeigt. Sie bietet die Gelegenheit, die einzelnen Seiten dieser Prachthandschrift mit ihren vielen Details aus der Nähe zu betrachten und im ausliegenden Faksimile-Band zu blättern.

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