20.07.2016 , 18:30

Der »schöne Blick«

Vortrag von Johanna Brade über Ansichtengraphik der Biedermeierzeit zwischen Naturschönheit und industrieller Revolution

Der Wölfelsfall in der Grafschaft Glatz, um 1830

Ansichten aus der Zeit der Romantik und der sogenannten »Biedermeierzeit« bilden den Schwerpunkt der ehemaligen Sammlung des Brauereibesitzers Albrecht Haselbach (1892–1979) aus dem schlesischen Namslau/Namysłów. Nicht nur für Schlesien, sondern ganz allgemein sind diese Blätter heute kunst- und kulturgeschichtlich aufschlussreiche Quellen über die Anfänge und die rasche Entwicklung bürgerlichen Reisens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Was geschäftstüchtige Grafiker für die neue Mode des Bildersammelns an touristischen begehrten Ansichten schufen, verrät uns heute viel über die wachsende Mobilität des Bürgertums, über ihre Art des Reisens, über Geschmacksfragen, Wahrnehmungsstrukturen und Sehnsüchte. Badeorte, Städte mit bedeutenden Bauwerken, gefällige Landschaften aber auch die neuen Industriegebiete wurden zu begehrten Reisezielen. Der Vortrag erläutert, was sich über die rein topographischen Informationen hinaus auf den stets fein kolorierten, detailreich gezeichneten Blätter entdecken lässt und warum sich das Bedürfnis nach dem »schönen« Blick mit seiner Mischung aus Fiktion und Wirklichkeit bis heute als wichtiges Bedürfnis vieler Reisender erhalten hat..

Die Referentin

Johanna Brade studierte Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Seit Ende der 1990er Jahre ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in den Bereichen Kunstgeschichte und Fotothek am Schlesischen Landesmuseum zu Görlitz tätig. Darüber hinaus betreute sie mehrere Kunstausstellungen in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München und im Stadtmuseum Oldenburg.

Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Malerei, Grafik und Plastik des 19. und 20. Jahrhunderts. Ein wichtiges Forschungsgebiet ist die Kunstgeschichte Schlesiens. Johanna Brade arbeitet an grenzübergreifenden Projekten sowie gemeinsamen Kunstausstellungen mit Polen und Tschechien. Ihre zahlreichen Veröffentlichungen haben insbesondere Aspekte der Kunstgeschichte Schlesiens zum Thema.

Vortragsreihe

Im September folgt der letzte Vortrag im Besucherzentrum auf dem Gutshof Branitz im Begleitprogramm zur Ausstellung Zeit-Reisen. Schlesien–Ansichten aus der Graphiksammlung Haselbach :

Mittwoch, 28. September 2016, 18:30 Uhr
Schlesische Städte in Bild und Wort
Vortrag von Prof. Dr. Wojciech Kunicki, Breslau/Wrocław

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Zusammenarbeit mit der Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloss Branitz im Rahmen der Ausstellung Zeit-Reisen. Schlesien–Ansichten aus der Graphiksammlung Haselbach, die noch bis zum 30. April 2017 im Schloss Branitz gezeigt wird.

Lage


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