11.11.2008 , 20:00

Ablagerungen | Deutsche in der tschechischen Gegenwartsliteratur

Reihe | Lesung und Gespräch mit Radka Denemarková und Jaroslav Rudiš • Moderation: Eva Profousová

Radka Denemarková. Ihr Buch penize od hitlera (deutsch: Geld von Hitler) erschien 2006 in Tschechien und erhielt den Literaturpreis magnesia litera. Die deutsche Übersetzung erscheint 2009.
grandhotel von Jaroslav Rudiš spielt in Liberec, dem ehemaligen Reichenberg, und erscheint dieser Tage in deutscher Übersetzung. Der Roman entstand aus dem Drehbuch zum gleichnamigen Film, der 2006 in die tschechischen Kinos kam und u.a. auch auf der Berl

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin

20.00 Uhr

Jahrhundertelang haben sie in derselben Landschaft, in demselben Land gelebt. Tschechen und Deutsche. Heute kann man sich über die Deutschen in der Tschechoslowakei in der sehr sorgfältig konzipierten Wanderausstellung verschwundenes sudetenland informieren – oder im prager literaturhaus deutschsprachiger autoren. Immerhin. Bis 1989 schien es die Deutschen in der modernen tschechischen Geschichte nur als die Besatzungsmacht im Protektorat Böhmen und Mähren gegeben zu haben: bis an die Zähne bewaffnete Wehrmachtssoldaten, brutale Gestapomänner, die Herrenmenschen schlechthin. So sah das offizielle Bild des Deutschen in der Literatur, bildenden Kunst und im Film aus, und mit diesem Bild im Kopf ist die Nachkriegsgeneration aufgewachsen. Wie wird der Deutsche nun heute, in der neueren tschechischen Literatur gezeigt? Gibt es ihn überhaupt noch?

Die Leerstellen, die die Vertreibung der Deutschen hinterlassen hat, werden von der Literatur langsam zurückerobert. Der Blick zurück wird differenzierter, es wird nicht mehr die Kollektivschuld bemüht, sondern das erlittene und zugefügte Leid von mehreren Seiten gesehen, die Begleitumstände offengelegt. Wie eine Hintergrundfolie trägt somit das Bild des Deutschen zur besseren Ergründung der eigenen Befindlichkeiten bei. Denn nicht nur die Vertreibung der Deutschen, sondern auch vieles andere, was nicht in die offizielle Geschichtsschreibung passte, wurde mehr als ein halbes Jahrhundert verdrängt.

Radka Denemarková: Geld von Hitler

Wie Anna Zonová hat Radka Denemarková erst vor kurzem die tschechische Literaturszene betreten, beide setzen sich mit den Folgen der Vertreibung der Deutschen im Bewusstsein der tschechischen Öffentlichkeit auseinander. Radka Denemarková beschreibt in ihrem Roman peníze od hitlera (»Geld von Hitler«, Verlag host, 2006) die Geschichte einer Frau, die nach dem Krieg als Deutsche aus ihrem Geburtshaus vertrieben wurde und 50 Jahre später, als sie das Haus im Restitutionsverfahren zurückbekommt, gegen den Widerstand der Dorfbewohner kämpfen muss. Der Roman ist noch nicht auf Deutsch erschienen.

::: leseprobe :::

Jaroslav Rudiš: Grand Hotel

Der im Dezember 2008 auf Deutsch bei luchterhand erscheinende Roman spielt im gleichnamigen Hotel auf dem Berg Ještěd – hoch über Liberec, der ehemals deutschen Stadt Reichenberg im tschechischen Grenzgebiet. Fleischman, der etwa dreißigjährige Held von Rudiš' subtil melancholisch-heiterem Roman – die Verfilmung wurde 2006 bei der Berlinale gezeigt – ist zwar zu jung, um sich an die deutsche Geschichte seiner Stadt erinnern zu können, er nimmt sie aber durchaus deutlicher wahr, als seine Zeitgenossen. Er freundet sich mit einem alten Deutschen an und hilft ihm, die Asche seiner Schulfreunde wieder »nach Hause« zu bringen.

Eintritt
6,– €
ermäßigt 4,– €

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