10.04.2003 , 00:00

Karl Emil Franzos: Der Pojaz

Szenisch-musikalische Lesung von Oskar Ansull mit Theo Jörgensmann, Klarinette

Karl Emíl Franzos
Oskar Ansull und Theo Jörgensmann

Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Wortreiche Landschaft. Deutsche Literatur aus Rumänien“

19:00 Uhr

„Eine Geschichte aus dem Osten“ nannte Karl Emil Franzos bescheiden seinen großen Entwicklungsroman, der vor fast genau 100 Jahren erschien. Das Meisterwerk des galizischen Autors kann in einem Atemzug mit Wilhelm Meister von Goethe oder Anton Reiser von Moritz genannt werden.
Der Pojaz erzählt von einer Welt, die es nicht mehr gibt, die ausgelöscht wurde. Von einer Welt, die geografisch zwischen Odessa und Warschau, zwischen Kiew und Belgrad zu verorten ist. Irgendwo zwischen diesen Metropolen liegt Barnow, ein fiktives Nest im galizisch-podolischen Teil der Bukowina. Hier lebt Sender Glatteis, der Held der Geschichte. Der Junge will seinem Geburtsort, dem Schtetl, entfliehen und Schauspieler werden. Doch die soziale und kulturelle Bindung an seine jüdische Herkunft lässt ihn nicht los.

Karl Emil Franzos (1848–1904), geboren im ostgalizischen Czortków als Sohn eines liberal gesinnten jüdischen Arztes, wuchs in Czernowitz auf. Wegen seiner jüdischen Herkunft war ihm die Universitätslaufbahn als klassischer Philologe versperrt. Er studierte Jura in Wien und Graz und wandte sich nach seinem Abschluss dem Journalismus zu. 1884–86 gab er das Wochenblatt Wiener Illustrierte heraus. Nach seiner Übersiedelung nach Berlin gründete er die Zeitschrift Deutsche Dichtung. Franzos war der erste Herausgeber der Werke Georg Büchners. Der Pojaz, 1893 vollendet, erschien posthum im Jahre 1905.

Der Dichter und Rezitator Oskar Ansull hat Passagen des Romans mit Zwischentexten neu montiert. Die Musik des Klarinettisten Theo Jörgensmann begleitet den Helden auf seiner Wanderung zwischen den Welten. Er taucht ein in die Klänge der jüdischen Musik und eröffnet Blicke auf die Klangwelt jenseits des Ghettos.

„Ein lange über die Aufführung hinaus wirkendes Ereignis!“
Radio Bremen

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