31.03.2004

Grußwort zur Präsentation der Sonderbriefmarke »100. Geburtstag Joseph Schmidt« am 24. März 2004 im Jüdischen Gemeindezentrum Berlin

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Grußwort zur Präsentation der Sonderbriefmarke »100. Geburtstag Joseph Schmidt« am 24. März 2004 im Jüdischen Gemeindezentrum Berlin

Wenn wir den Sänger Joseph Schmidt heute auf alten Fotos betrachten, dann schaut uns ein strahlender junger Mann entgegen, ein echtes Sonntagskind. Und so klingt auch seine Stimme auf den zahlreichen Aufnahmen, die heute von ihm auf CD erhältlich sind. Joseph Schmidt liebte die leichte Muse, und sein Leben wirkt selbst wie ein Stück Operette. Aber weil Joseph Schmidt auch Jude war, blieb ihm ein Happy End versagt.

Sein Lebensweg fokussiert jüdische Identität zwischen Kaiserreich und Nazi-Regime. Weniger als ein Jahr trennen glitzernden Star-Ruhm und elende Flüchtlingsexistenz. Geboren in der Bukowina, pendelte der hochbegabte Autodidakt zwischen seiner Heimat und der Metropole Berlin. Hier feierte er als Schallplatten- und Filmstar eine große Karriere, die jäh vom Aufstieg der Nationalsozialisten gebremst wurde. Obwohl eine Konzertreise in den USA ein überwältigender Erfolg wurde, floh Joseph Schmidt nach Europa zurück, wo er nach einer Odyssee durch mehrere Länder 1942 krank und verarmt in einem Schweizer Internierungslager starb.

Lange Zeit war dieser große Sänger vergessen. Wir tun gut daran, an Joseph Schmidt zu erinnern. Sein Leben mahnt uns an das Grauen nationalsozialistischer Barbarei, sein Gesang aber bereitet uns noch heute große Freude. Eines seiner bekanntesten Lieder heißt: Es wird im Leben Dir mehr genommen als gegeben.

Das trifft auch auf Joseph Schmidt zu. Ein großer Künstler wie er darf nicht vergessen werden. So kann Joseph Schmidt im Tod zurückgegeben werden, was ihm im Leben genommen wurde: Würde und Respekt.

Ich freue mich, dass das Deutsche Kulturforum östliches Europa zum 100. Geburtstag an Joseph Schmidt erinnert und wünsche der Gedenkveranstaltung einen guten Verlauf.

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