28.01.2016

Der Literaturwissenschaftler Reiner Stach räumte in einer zweiteiligen Vortragsreihe für Potsdamer Schüler mit Klischees und Vorurteilen über Franz Kafkas Werk auf

Von Sidney Szilleweit, 10. Klasse, Bertha-von-Suttner-Gymnasium Babelsberg
Von Sidney Szilleweit, 10. Klasse, Bertha-von-Suttner-Gymnasium Babelsberg
7070, 3993, 1085, 7066
Der Literaturwissenschaftler Reiner Stach räumte in einer zweiteiligen Vortragsreihe für Potsdamer Schüler mit Klischees und Vorurteilen über Franz Kafkas Werk auf
Der Literaturwissenschaftler Reiner Stach räumte in einer zweiteiligen Vortragsreihe für Potsdamer Schüler mit Klischees und Vorurteilen über Franz Kafkas Werk auf.

Mit seiner lockeren, aber interessanten Art zog Reiner Stach seine Zuhörer schnell in seinen Bann.

Franz Kafkas Werk wird häufig als düster, wirr und allgemein unlesbar wahrgenommen. Gerade deshalb stößt Kafka bei den Schülern des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums auf großes Interesse, vor allem wenn der gefeierte Literaturwissenschaftler Reiner Stach in einer zweiteiligen Vortragsreihe mit Klischees und Vorurteilen aufräumt. Unter dem Titel »Kafka – sein Werk« klärte Stach am 12. Januar 2016 im Bildungsforum Potsdam über vielgestellte Fragen aus der Welt der »fortgeschrittenen Leser« auf. Warum hat Kafka keinen Roman beendet? Warum lebte Kafka ewig bei seinen Eltern? Und für praktisch denkende Schüler: Macht es Sinn, in meiner Klausur-Analyse dem Vater die Schuld zu geben? Stach bemühte sich immer um eine Antwort, erklärte wie ein Weltmeister und stand zu Eventualitäten.

Dass Stach im Umgang mit Schülern geübt ist, bemerkt man gleich. Durch seine lockere, aber interessante Art zu referieren, zieht er alle Zuhörer in seinen Bann. Er berichtet detailgetreu über das Zeitgeschehen, das Kafka begleitete, eine Zeit, die es ihm besonders angetan hat, wie er später bekennt. Zu diesem Thema könne er sich auch ein neues Buchprojekt vorstellen. Auf die Frage, wie es wohl ist, eine so lange Zeit lang, sein Schaffen auf eine einzige Person zu richten, antwortete er: »Natürlich starre ich nicht die ganze Zeit auf Kafkas Hinterkopf, mich interessiert auch die Zeit, in der er gelebt hat.«

Bei Max Brod nicht ehrlich

Der dritte und letzte Band der Kafka-Biographie von Reiner Stach erschien 2015.

Die Beziehung zwischen Kafka und Max Brod, das unbeachtete Testament, besonders seinen Erholungsaufenthalt auf dem Bauernhof der Schwester machte er zum Thema, und ließ dabei keinen Aspekt offen. Angesprochen auf Kafkas Meinung zu seinem langjährigen Freund Max Brod charakterisierte Stach Kafkas Person mit den Worten: »Max Brod war das wahrscheinlich einzige Thema, bei dem Kafka nicht aufrichtig war.« Gerade diese Aufrichtigkeit im Schreiben wie im Umgang mit seinen Mitmenschen stellte Reiner Stach besonders dar. Erst 2015 beendete er seinen biografischen Dreiteiler zu Kafkas Leben. Die erste richtige Kafka-Biografie eines deutschen Autors hat sich, nach Ansicht der Kritiker, bereits heute als eine der Wichtigsten überhaupt herausgestellt.

Abschließend ging Stach noch einmal auf die brandaktuellen Aspekte zum Thema ein und erklärt den Manuskripte- Konflikt um Eva Hoffe und den israelischen Staat. Und nein – es wäre fatal, allein dem Vater die Schuld zu geben. Kafka soll man lesen, ohne gleich zu interpretieren. Sonst übersieht man zu vieles, ja beißt sich fest in ein Rätsel. Kafka soll man in erster Line genießen. Das genügt für den Anfang.

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