23.05.2019 , 18:00
Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte – Vortragssaal
Am Neuen Markt 9, 14467 Potsdam, Deutschland

Herrenhäuser im Baltikum

Ihre bauliche Entwicklung im Kontext der wechselnden Machtverhältnisse Ein Vortrag von Prof. Dr. Sabine Bock, Schwerin

<br>Charlotte von Lieven (1743–1828), Erzieherin der Kinder der Zarin, erhielt für ihre Verdienste Mesothen/Mežotne. Johann Georg Berlitz (1753– 1837) erbaute 1821 das Schloss nach einem Entwurf von Giacomo Quarenghi (1744–1817)

Die heutigen baltischen Länder Estland und Lettland gehören zur historischen Kulturlandschaft des Ostseeraumes, in der die Landwirtschaft über Jahrhunderte von der Gutswirtschaft bestimmt wurde. Der bauliche Mittelpunkt der oft viele hundert Hektar großen Güter waren die Herrenhäuser. Sie waren zugleich Wohnort der Gutsbesitzer und Ort der Gutsverwaltung sowie der Machtausübung.

Will man die bauliche Entwicklung der Herrenhäuser im Baltikum nachzeichnen, muss man bei den Vasallenburgen des späten 15./frühen 16. Jahrhunderts beginnen, die unter der Herrschaft des Deutschen Ordens entstanden. Da Teile der Region nach dem Ende der Ordenszeit verschiedenen Oberherrschaften unterstellt waren, entwickelt sich die Form der Herrenhäuser abhängig von diesen unterschiedlich. Infolge der vielen Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft im Ostseeraum wechseln die Oberherrschaften mehrfach. Stand das Herzogtum Kurland und Semgallen zunächst unter polnischer Lehnshoheit, unterstellte sich Estland dem Königreich Schweden. Livland wurde ein Teil der Adels-Republik Polen-Litauen und die Insel Ösel kam unter dänische Herrschaft. Konnte danach zunächst Schweden ab 1629 seinen Machtbereich ausweiten, gelang es Russland ab 1721 immer mehr Gebiete zu beherrschen, bis 1795 alle baltischen Regionen Teil des Russischen Reiches waren und bis 1917/1919 blieben.

Im Vortrag soll nachvollzogen werden, welche Einflüsse diese wechselnden Machtverhältnisse auf die Architekturentwicklung der Herrenhäuser hatte.

Referentin

Sabine Bock ist Architekturhistorikerin, Denkmalpflegerin und Hochschullehrerin. Sie forscht seit fast 30 Jahren über Herrenhäuser im Ostseeraum. Ausgangspunkt der Untersuchungen waren die Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern, wo sie seit langem lebt. Inzwischen beschäftigen sie die Herrenhäuser als Bestandteil der historischen Kulturlandschaft »Güter im Ostseeraum«, die einen Zeitraum von mehr als 500 Jahren und alle Ostseeanrainerstaaten umfasst.

Seit mehr als 15 Jahren ist sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Fotografen und Verleger Thomas Helms, zu Studienzwecken in den baltischen und skandinavischen Ländern unterwegs und bereitet derzeit nach vielen Einzelveröffentlichungen und Inventaren eine dreibändige wissenschaftliche Arbeit über die Typologie der Herrenhäuser im Ostseeraum vor, deren erster Band Ende des Jahres erscheinen soll. Einer der Schwerpunkte ihrer Arbeit liegt seit langem in Estland und Lettland.

Eintritt

5,- Euro
3,- Euro ermäßigt

Kasse und Information

T. +49 (0)331 62085-50

Veranstalter

Der Vortrag ist eine Begleitveranstaltung zur Ausstellung Adeliges Leben im Baltikum. Herrenhäuser in Estland und Lettland, die vom 19. Mai bis 28. Juli 2019 im Westlichen Erweiterungsflügel des Schlosses Caputh gezeigt wird.

Die weiteren Vorträge

Donnerstag, 13. Juni 2019, 18.00 Uhr
Ein Schloss und seine Bewohner
Das Herrenhaus Allatzkiwwi/Alatskivi
Vortrag von Julian Windmöller, Lüneburg

Donnerstag, 20. Juni 2019, 18.00 Uhr
Baltische Herrenhäuser
Spuren des deutschbaltischen Adels in Estland und Lettland
Vortrag von Dr. Agnese Bergholde-Wolf, Marburg

Lage


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