08.12.2004 , 19:30
Rumänisches Kulturinstitut »Titu Maiorescu«
Königsweg 20, 14193 Berlin, Deutschland

Der Paramentenschatz der »Schwarzen Kirche« in Kronstadt/Brașov in Siebenbürgen

Die zahlreichen liturgischen Gewänder aus mittelalterlichen und barocken Luxustextilien, ihre historische und kunsthistorische Relevanz und Fragen der Restaurierung. Gesprächsrunde mit Evelin Wetter, Geertje Gerhold, Jana Knejfl-Fajt und Konrad Gündisch

Einst und heute: Die Schwarze Kirche in Kronstadt/Braşov

Die Schwarze Kirche in Kronstadt bewahrt neben ihrer bekannten Sammlung osmanischer Teppiche auch zahlreiche liturgische Gewänder aus mittelalterlichen und barocken Luxustextilien. Darunter befinden sich Kaseln, also priesterliche Messgewänder, und Pluvialien, wie sie in der katholischen Kirche zu Weihehandlungen und Prozessionen getragen werden. Nach der Reformation wurden sie in Kronstadt bis in das 19.Jahrhundert hinein auch im evangelischen Gottesdienst angelegt. Noch im 18. Jahrhundert schaffte man sogar neue Paramente an. Später gerieten sie in Vergessenheit.

Die Stoffe, oft reiche Samtbrokate, stammen in der Regel aus den italienischen Seidenweberzentren, während die Besätze aus Gold- und Seidenstickerei moldauischer, italienischer, mitteleuropäischer und auch örtlicher Herstellung sind. Neben den kirchlichen Textilschätzen in Halberstadt, Brandenburg und Danzig zählt die Kronstädter Paramentensammlung zu den bedeutendsten in Mitteleuropa und ist damit für die Kunstgeschichte von größter Bedeutung.

Eines der liturgischen Gewänder aus dem Paramentenschatz der Schwarzen Kirche

In ihrer Vielgestaltigkeit und Qualität belegen die Gewänder die weite handelsgeschichtliche und kulturelle Vernetzung des siebenbürgischen Patriziats, nicht zuletzt sind sie beredte Zeugnisse eines wirtschaftlichen Aufschwungs siebenbürgisch-sächsischer Städte an der Wende zur Neuzeit.

Thema der Gesprächsrunde sind die allgemein historische und kunsthistorische Relevanz dieser Sammlung liturgischer Gewänder sowie Fragen der Restaurierung. Bereits die Art der Aufbewahrung führte in den letzten Jahrzehnten zu gravierenden Schäden. Um den weiteren Verfall aufzuhalten, gilt es an erster Stelle, eine angemessene Unterbringung sicherzustellen, die den Erfordernissen der Textilien nach konstantem Klima usw. gerecht wird. Gemeinsam mit zwei Restauratorinnen werden Konzepte zum Erhalt dieses deutsch-rumänischen Kulturerbes vorgestellt und diskutiert.

Teilnehmer der Gesprächsrunde

Dr. Evelin Wetter, Kunsthistorikerin (Berlin)
geb. 1969 in Höxter, Studium der Kunstgeschichte und Germanistik an der TU Berlin. Sie ist Fachkoordinatorin für Kunst- und Kulturgeschichte der Neuzeit am Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas in Leipzig und lehrt an der TU Berlin und an der Universität Leipzig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bild- und Schatzkünste sowie die Kunst der Reformationszeit.

Geertje Gerhold, Textilrestauratorin (Potsdam)
geb. 1961 in Kassel, Ausbildung zur Textilkonservatorin und ­-restauratorin bei der Abegg-Stiftung in Riggisberg (Schweiz), Leiterin der Textilkonservierungswerkstatt am Kunstgewerbemuseum in Oslo (Norwegen), zur Zeit Textilrestauratorin am Domstift Brandenburg/Havel, verantwortlich für den mittelalterlichen Paramenten- und Textilbestand des Domstifts.

Jana Knejfl-Fajt, Textilrestauratorin (Berlin)
geb. 1959 in Prag, Ausbildung zur Textil-Restauratorin, Tätigkeit am Städtischen Museum Prag, 1989–1998 Assistentin für textile Techniken an der Hochschule für Angewandte Kunst in Prag, zur Zeit selbständige Textilrestauratorin in Berlin.

Prof. Dr. Konrad Gündisch, Historiker (Oldenburg)
geb. 1948 in Hermannstadt/Sibiu in Siebenbürgen (Rumänien), seit 1993 wiss. Mitarbeiter beim Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa in Oldenburg und seit 2002 Honorarprofessor an der Universität in Klausenburg/Cluj, beschäftigt sich u.a. mit der Sozial- und Stadtgeschichte Siebenbürgens. 1998 erschien sein Buch Siebenbürgen und die Siebenbürger Sachsen.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Deutschen Kulturforums mit dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum – Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas, Leipzig, dem Domstift Brandenburg/Havel und dem Rumänischen Kulturinstitut »Titu Maiorescu«, Berlin

Lage


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