09.06.2004 - 18.07.2004
Na Poříčí 52, CZ–18000 Praha / Prag 8, Tschechische Republik

Musen an die Front!

Die Ausstellung über Schriftsteller und Künstler im Dienst der k.u.k. Kriegspropaganda 1914–18 widmet den böhmischen und mährischen Vertretern besondere Aufmerksamkeit

Titelgrafik der Ausstellung unter Verwendung einer vom »Kriegspressequartier« der Ukrainischen Legion herausgegebenen Postkarte

Der Erste Weltkrieg überstieg mit seinen Dimensionen und Folgen alle bis dahin geführten Kriege und wurde schon von Zeitgenossen als der »Große Krieg« bezeichnet. Die Zahl der beteiligten Staaten und der an den verschiedenen Fronten kämpfenden Soldaten, die Millionen Opfer sowie das Ausmaß der Zerstörungen berechtigen zu dieser Bezeichnung. Hinzu kam der Einsatz von Militärtechnik, wie ihn frühere Kriege nicht kannten: Gas, Aeroplane, gepanzerte Kampffahrzeuge, schwere Artillerie, aber auch Kriegspropaganda als eine Möglichenkeit, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und somit den Krieg »mit anderen Mitteln« zu führen. Zu Propagandazweicken wurde in der österrreichisch-ungarischen Armee als Sondereinrichtung des Armeeoberkommandos ein »Kriegspressequarier« (KPQ) gegründet, das die Aufgabe hatte, der Presse Berichte über das Kriegsgeschehen in Wort und Bild zu liefern.

Im KPQ waren insbesondere Journalisten und Künstler vertreten, darunter bekannte Schriftsteller wie Roda Roda, Egon Erwin Kisch, Leo Perutz, Richard A. Bermann (Arnold Höllriegel), Ferenc Molnár, Robert Michel, Franz Werfel und Künstler wie Oskar Laske, Oskar Kokoschka, Ferdinand Staeger, Ludwig Hesshaimer, Albin Egger-Lienz u.a.

Für die Kriegsberichterstattung wurden außerdem eine Bild- und Filmstelle eingerichtet, dazu ein Theater- und Musikreferat und schließlich eine Zensurstelle, die alle Informationen zu überwachen und über ihre Veröffentlichung zu entscheiden hatte. Parallel dazu wurde im Wiener Kriegsarchiv eine »Literarische Gruppe« ins Leben gerufen, die den Krieg zu dokumentieren und publizistisch zu propagieren hatte. In dieser Gruppe wirkten beispielsweise Franz Theodor Csokor, Rudolf Hans Bartsch, Franz Karl Ginzkey, Felix Salten, Stefan Zweig, Rainer Maria Rilke, Alfred Polgar (Polak).

Die beiden deutschsprachigen Prager Schriftsteller Otto Pick und Franz Werfel in der k.u.k. Uniform

Sowohl das KPQ als auch die »Literarische Gruppe« boten vielen Journalisten, Schriftstellern und Künstlern die Möglichkeit, den Kriegsdienst mit der Waffe zu vermeiden und stattdessen eine Aufgabe im Kriegspropagandaapparat mit Feder, Pinsel oder Kamera zu übernehmen.

In der Ausstellung und der Begleitpublikation wird der bewusste oder unbewusste Anteil der Literatur und Kunst am Ersten Weltkrieg gezeigt. Dabei werden sowohl das Schwanken der Künstler und Intellektuellen zwischen Patriotismus und Pazifismus als auch ihr freiwilliges Engagement in Kriegssachen geschildert. In der Vielzahl der Namen sind ganz verschiedene Einstellungen zum Krieg zu erkennen, aber auch innerhalb einzelner Biographien sind unterschiedliche Phasen und Wandlungen zu beobachten.

Ein bedeutender Anteil der Schriftsteller und Künstler im Dienst der k.u.k. Kriegspropaganda stammte aus Böhmen und Mähren; diesen wird in der Ausstellung, gemäß der Satzung und den Zielen des Adalbert Stifter Vereins, besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Begrüßung:
Dr. Zuzana Strnadová, Direktorin des Museums der Hauptstadt Prag

Grußworte:
Dr. Peter Becher, Geschäftsführer des Adalbert Stifter Vereins, München

Einführung:
»Mit Feder und Pinsel in den Krieg«
Dr. Jozo Džambo, Adalbert Stifter Verein, München

Eröffnung:
Mag. Walter Persché, Direktor des Österreichischen Kulturforums Prag

Öffnungszeiten:
Di–So 09:00–18:00 Uhr

Musen an die Front!
Weitere Informationen auf den Internet-Seiten des Adalbert Stifter Vereins

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