24.04.2003 - 26.04.2003

Neisse – Kulturalität und Regionalität

Interdisziplinäre und Internationale Tagung des Instituts für Fremdsprachen an der Staatlichen Fachhochschule Neisse, des Germanistischen Instituts der Universität Wrocław und des Deutschen Kulturforums östliches Europa

Neisse/Nysa: Die Jacobuskirche mit dem nicht vollendeten Glockenturm

Die Region Neisse-Jauernig blickt auf eine reiche und bewegte Geschichte zurück, die sich als Gegenstand eines Gesprächs über Fragen regionaler und (über)nationaler Identität anbietet. Vor diesem Hintergrund sollen die Chancen für eine verstärkte grenzüberschreitende Kooperation zwischen Polen, Tschechen und auch Deutschen in dieser europäischen Region ausgelotet werden.

Der politische Integrationsprozess in Ostmitteleuropa hat zu einer lebendigen Debatte über Formen kultureller Identität in zahlreichen Regionen Europas geführt. Die Überwindung alter Grenzen hat die Verständigung über die historischen Dimensionen regionaler Räume und über die Zukunft transnationaler Zusammenarbeit auf regionaler Ebene erheblich erleichtert. Gerade Regionen mit einer reichen Vergangenheit scheinen auch das Potential für eine auch zukünftig erfolgreiche, grenzüberschreitende Verständigung und Kooperation zu bergen. Die Region Neisse, das alte Bischofsland des Breslauer Bistums, scheint dafür geradezu prädestiniert.

In der ehemals preußischen Stadt Neisse liegen der pazifistische Offizier Cunibert Neumann und der Katholik Joseph von Eichendorff begraben. Vor 1933 beherbergte Neisse eine große und lebendige jüdische Gemeinde. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und erlebte nach 1945 einen fast vollständigen Austausch ihrer Bevölkerung. Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Neisse folgte der Zuzug der Polen, die ihrerseits aus den östlichen Provinzen des Landes geflohen waren. In der Volksrepublik wurde Neisse als Hort des piastischen Polens gepriesen. Unweit von Neisse, hinter der heutigen polnisch-tschechischen Grenze, liegt das ehemals habsburgische Jauernig mit dem Johannesberg und dem Schloss, in dem zahlreiche Breslauer Bischöfe begraben sind. In Jauernig erblickte Bernhard Grzimek das Licht der Welt, hier erhielt der polnische König Johannes Sobieski seine Ausbildung, hier blühte der ehemals bekannte „Heimgarten“. Die Region Neisse-Jauernig blickt auf eine reiche und bewegte Geschichte zurück, die sich als Gegenstand eines Gesprächs über Fragen regionaler und (über)nationaler Identität anbietet.

Nach wie vor ist die Region Neisse „ein zehnfach interessantes Land“. Zwar sind die Folgen der ökonomischen und politischen Umstrukturierung der letzten Jahre auch hier nicht zu übersehen, die Veränderungen bergen aber auch große Chancen für eine verstärkte, grenzüberschreitende zukünftige Kooperation zwischen Polen, Tschechen und auch Deutschen in dieser europäischen Region. Wie sich diese Zusammenarbeit auf der Grundlage der vielfältigen historischen Erfahrungen entwickeln könnte, soll im Mittelpunkt der interdisziplinären und internationalen Tagung zum Thema Neisse – Kulturalität und Regionalität stehen, die das Institut für Fremdsprachen an der Staatlichen Fachhochschule Neisse, das Germanistische Institut der Universität Wrocław und das Deutsche Kulturforum östliches Europa vom 24.-26. April 2003 in Neisse und Jauernig veranstaltet. Eine Veröffentlichung der Vorträge in polnischer und deutscher Sprache ist geplant.

Programm


Mittwoch, 23.04.2003
Tagungsstätte (Missionshaus Neisse)
19:00 Begrüßung der Gäste. Eröffnung der Tagung
19:30 Plenarvortrag: Arno Herzig (Hamburg), Neisse im konfessionellen Zeitalter

Donnerstag 24. April 2003
Tagungsstätte (Missionshaus Neisse)
09:00 Vladimir Gos (Opava/Troppau), Die kulturellen Beziehungen zwischen Nordmähren und Schlesien im frühen Mittelalter.
09:30 Mirosława Czarnecka (Wrocław/Breslau), Acidalius und die Querelle des Femmes
10:30 Marek Hałub (Wrocław/Breslau), Das Neisse-Bild in der neuesten Forschungsliteratur
11:00 Helmut Neubach, Politische Geschichte der Stadt Neisse von 1815 bis 1945.
11:45 Prälat Mikołaj Mróz (Nysa/Neisse), Führung durch die St. Jacobus-Kirche.
14:00 Studenten, Führung durch die Jesuiten-Kirche
14:30 Studenten, Führung durch die Kreuzherren-Kirche
16:00 Ernst-Josef Krzywon (Augsburg), Kulturelle Identitätsfindung in Neisse. Erinnerungen und Gedanken über die Jahre 1947-1850 und 1952-1955.
16.30 Marta Kopij (Wrocław-Nysa/Breslau-Neisse), Karl Szczodrok und Wilhelm Szewczyk. Parallellebensläufe auf Neisse bezogen.
17:30 Karl-Heinz Kocar, Das Konzept einer regionalen Zusammenarbeit. Neisse-Lüdinghausen
 

Freitag, 25. April 2003
Tagungsstätte (Missionshaus Neisse)
09:00 Detlef Haberland (Köln), Neisser Druckgeschichte.
09:30 Olga Fejtova (Prag/Praha), Druckgeschichte im schlesisch-böhmischen Bereich. Koreferat
10:00 Gabriela Ociepa (Wrocław/Breslau), Neisser Kartographen.
10:30 Włodzimierz Zientara (Toruń/Thorn), Neisser Bilder eines Handwerkers.
11:30 Anna Stroka (Wrocław/Breslau), Friedrich von Sallet und Theodor Paur
12:00 Izabela Surynt (Opole/Oppeln), Das Bild der schlesischen Kleinstadt in der deutschen Literatur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
12:30 Monika Manczyk-Krygiel (Wrocław/Breslau), Neisse im Werk Juliane Karwaths
13:00 Urszula Bonter (Wrocław/Breslau), Das Werk Juliane Karwaths
15:00 Jens Stüben (Oldenburg), Neisser und Berliner „Landschaft'. Zu einem Bildmotiv in der Lyrik von Max Hermann-Neisse.
15:30 Jürgen Joachimsthaler (Dresden), Ästhetischer Trieb in der Kleinstadtenge. Max Hermann Neisses Neisser Projektionen.
16:00 Jörg-Ulrich Fechner (Bochum), Max Hermann Neisse. Der Herner Nachlass
17:00 Marcin Worbs (Opole/Oppeln), Entstehung und Wirkung des Neisser Volksbildungszentrums Heimgarten
17:30 Wolfgang Kessler (Herne), Die Philomatie in Neisse als regionale Wissenschaftsgemeinschaft.
18:00 Dan Gawarecki (Opava/Troppau), Das Jahr 1866 und die Gründung eines Bistums in Neisse.
20:30 Therese Chromik (Kiel), Dichterlesung

Sonnabend 26. April 2003
Tagungsstätte (Missionshaus Neisse)
09:15 Božena Hrynyszyn (Nysa/Neisse), Nysa – Prespektive einer Raumgestaltung vor dem Hintergrund der Kulturlandschaft der Stadt und der Region
10:00 Lesław Cirko (Wrocław-Nysa/Breslau-Neisse), Die Rolle der Sprachwissenschaft in der Kulturraumforschung
10:10 Monika Witt (Nysa/Neisse), Nysa als Ort einer Fachchochschule.
10:20 Gabriela Połutrenko (Nysa/Neisse), Neisser Kultur 1890-1945. Ein Forschungsprojekt.
10:30 Alina Kowalczyk (Nysa/Neisse), Literaturdidaktische Konzepte im Regionalunterricht
11:15 Diskussion zu den Neisser-Referaten
 

Schloss Jansky Vrh (Johannesberg)
Jauernig/Javornik, Tschechien
14:30 Ortwin Beisbart (Bamberg), Eichendorffs Gedichte - Ästhetische Erfahrungen im Unterricht
15:15 Patricia Alefeld (Düsseldorf), Eichendorff und die Aufklärung
17:00 Lucian Schiwietz (Bonn) Das Musikleben in Neisse. Ein historischer Überblick.
17:45 Klaus Peter Koch (Bonn) Carl Ditters von Dittersdorf und das Fürstentum Neisse.
18:30 Konzert im Schloss Jauernig
 

Sonntag, 27. April 2003
Tagungsstätte (Missionshaus Neisse)
10:00 Abschlußgespräch
11:30 Ausflug durch Neisse und Umgebung

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