07.03.2003 - 27.04.2003
Architekturmuseum in Breslau • Muzeum Architektury we Wrocławiu
ul. Bernardyńska 5, 50-156 Wrocław/ Breslau

Zisterzienser in Niederschlesien • Cystersi na Dolnym Śląsku

Das goldene Jahrhundert der Barockkunst 1650 – 1750 • Złote stulecie sztuki baroku 1650 – 1750

Klosterkirche in Grüssau/Krzeszów
Die Mariä-Himmelfahrt-Kirche in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki

Rund um Breslau/Wrocław befinden sich auf engstem Raum einige der bedeutendsten Zisterzienserklöster Europas. Bei der Christianisierung und Entwicklung Schlesiens spielten die Zisterzienser eine wichtige Rolle. Die ersten Mönche kamen 1163 aus der Abtei Pforta bei Naumburg nach Leubus/Lubiąż. 1175 unterzeichnete Herzog Boleslaus die Stiftungsurkunde für das dortige Kloster. Von hier aus gründeten die Zisterzienser Tochterklöster in der Nähe von Krakau sowie in den schlesischen Orten Heinrichau/Henryków und Kamenz/Kamieniec; später übernahmen sie von Heinrichau aus das Kloster in Grüssau/Krzeszów. In Trebnitz/Trzebnica gründete Herzog Heinrich I. auf Bitten seiner Frau, der Heiligen Hedwig 1202 das erste Kloster für Zisterzienserinnen, das ebenfalls Leubus unterstellt wurde.

Das an der Oder gelegene Kloster von Leubus/Lubiąż trägt nicht zu Unrecht den Beinamen »schlesischer Escorial«. Mit 223 Metern zählt es zu den längsten Gebäuden in Europa. Die gesamte Nutzfläche beträgt 330.000 Kubikmeter. In seiner heutigen Form entstand der barocke Prachtbau zwischen 1681 und 1739. Michael Willmann, der bedeutendste schlesische Maler, hatte hier seine Werkstätten und schuf zahlreiche Kunstwerke für das Kloster. Mit der Säkularisierung 1810 begann der Niedergang der Klosteranlage. Das riesige Gebäude wurde Krankenhaus für Geisteskranke, im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiterlager und Rüstungsfabrik, später Krankenhaus der Sowjetarmee und dann Lagerhaus für Bücher. Erst nachdem 1991 eine Stiftung den gesamten Komplex übernahm, wurden die Sicherungs- und Sanierungsarbeiten intensiviert.

Das Zisterzienserinnenkloster von Trebnitz/Trzebnica steht dem Kloster Leubus an Bedeutung kaum nach. Verbunden ist es vor allem mit dem Kult um die Heilige Hedwig, die Schutzpatronin Schlesiens. Das Kloster 1218 in die Gemeinschaft der Zisterzienser aufgenommen, war das erste Nonnenkloster in Schlesien. Kirche und Kloster wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Barockstil umgebaut. Nach der Säkularisierung zog eine Wollspinnerei in die großen Klostergebäude, um 1870 richteten die Malteser dort ein Krankenhaus ein. Im Jahre 1899 zogen Borromäerinnen nach Trebnitz. Heute leben dort noch etwa 60 Schwestern und Novizinnen des Ordens.

Südlich von Breslau liegt das von Heinrich I. gestiftete und nach ihm benannte Kloster Heinrichau/ Henryków. Mönche aus Leubus gründeten es im Jahre 1227, doch schon 14 Jahre später wurden die ersten Bauten im Mongolensturm zerstört. Auch in den folgenden Jahrhunderten fiel das Kloster mehrfach Zerstörungen zum Opfer. Seine Blütezeit erlebte es in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Nach der Säkularisierung erwarb 1812 Friederike Louise Wilhelmine, Schwester von König Friedrich Wilhelm III. und spätere niederländische Königin, die Gebäude zusammen mit dem damals größten Grundbesitz Schlesiens. Von 1836 bis 1945 befanden sich Kloster und Gut im Besitz der Großherzöge von Sachsen-Weimar. 1947 zogen Zisterziensermönche erneut in Henryków ein.

Unweit von Heinrichau befinden sich in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki die Ruinen eines weiteren Zisterzienserklosters. Hier hatten sich um 1200 zunächst Augustiner niedergelassen. Sie erwarben in den folgenden Jahrzehnten einen großen Grundbesitz und begannen 1318 mit dem Bau der gotischen Klosteranlage. Wie die übrigen Zisterzienserklöster wurde auch Kamenz Ende des 18. Jahrhunderts barock umgestaltet. Nach der Säkularisierung kam das Kloster mit seinen großen Gütern ebenso wie Heinrichau in den Besitz Friederike Louise Wilhelmine. Große Teile des Klosters wurden bei einem Brand 1817 zerstört und anschließend abgerissen, die Reste wurden 1945 durch Plünderungen und Vandalismus stark zerstört. Die Mariä-Himmelfahrt-Kirche, um 1350 im Stil der Gotik erbaut und um 1700 barock verändert, blieb erhalten. Zu den bedeutendsten Kunstschätzen gehört der nach Entwürfen von Michael Willmann erbaute barocke Hochaltar sowie die Skulpturen von Thomas Weißfeld. Ein Teil des Klostergebäudes wurde wieder in seiner barocken Form aufgebaut und beherbergt Teile des Breslauer Stadtarchivs.

Das Kloster in Grüssau/Krzeszów gilt als das bedeutendste spätbarocke Bauwerk in Schlesien. Herzogin Anna, Witwe von Heinrich II., hatte 1242 Benediktinermönche aus Böhmen nach Grüssau berufen. Enkel von Heinrich II., Herzog Bolko I. von Schweidnitz , holte 1292 Zisterzienser aus Heinrichau nach Grüssau und schenkte ihnen 44 umliegende Dörfer und Städte. Zu dieser Zeit begannen die ersten Bauarbeiten am Kloster. Im goldenen Zeitalter des Klosters, Ende des 17. Jahrhunderts, entstand die St.-Joseph-Kirche mit dem Freskenzyklus von Michael Willmann. Drei Jahrzehnte später wurde die Abteikirche der Gnadenreichen Mutter Gottes errichtet. 1810 wurde auch Grüssau säkularisiert, erst 1919 zogen dort wieder Benediktinermönche ein. Seit dem Ende des 2. Weltkrieg übernahmen Benediktinerinnen aus Lemberg das Kloster.

Die Ausstellung präsentiert eine Archiv- und Fotodokumentation, Malerei und Kunstgegenstände, die mit der Wirkungsgeschichte der Klöster in Niederschlesien verbunden sind, sowie Tafeln, die über die Geschichte und das Wirken der Zisterzienser informieren. Konzipert wurde sie von Jerzy Ilkosz, dem Direktor des Architekturmuseums Breslau. Hoffnung der Organisatoren ist es, dass die Ausstellung einen Impuls zu Bildungsausflügen und Wanderungen auf den Spuren der Zisterzienser in Niederschlesien anregen wird.

Die Ausstellung ist bis zum 27. April im Architekturmuseum in Breslau zu sehen.

Adresse:
Muzeum Architektury we Wrocławiu
ul. Bernardyńska 5
PL 50-156 Wrocław
T: + 48 71 344 82 78 / 79, 343 36 75
F: + 48 71 344 65 77
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag: 10:00 bis 16:00 Uhr
Donnerstag: 12:00 bis 18:00 Uhr
Sonntag: 11:00 bis 17:00 Uhr


Cystersi na Dolnym Śląsku. Złote stulecie sztuki baroku 1650 – 1750
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