30.01.2003 , 00:00
Altes Rathaus | Kulturhaus Potsdam
Am Alten Markt, 14467 Potsdam, Deutschland

Memelland

Fünf Jahrzehnte Nachkriegsgeschichte

Lesung und Vortrag von Ruth Kibelka-Leiserowitz

19:00 Uhr

Das Memelland, ehemals Grenzgebiet im Nordosten des Deutschen Reiches und politisches Streitobjekt in der Zwischenkriegszeit, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Abgesehen von einzelnen Touristen, die den malerischen Landstrich im heutigen Litauen wiederentdeckt haben, ist das Memelland für die meisten Deutschen heute eine terra incognita. In ihrem neuen Buch Memelland geht Ruth Kibelka-Leiserowitz der Geschichte dieser Region und seiner Menschen in den vergangenen fünf Jahrzehnten nach.

Das Memelland, nördlich des Flusses Memel / Njemen / Nemunas gelegen, war über Jahrhunderte eine Kontaktzone der Völker im nördlichen Ostmitteleuropa. Nach dem Ersten Weltkrieg avancierte die Region zu einem bedeutsamen Schauplatz der europäischen Geschichte. Das ostpreußische Memelgebiet wurde 1923 von Truppen des jungen litauischen Staates besetzt. 1939 fiel es zurück an NS-Deutschland. 1945 ging das Memelland in der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik auf und gehört heute zum Staatsgebiet der wiedergegründeten Republik Litauen.

Die bewegte Geschichte des Memellandes spiegelt sich in den Biographien seiner Bewohner. Die meisten Menschen, die den Landstrich bevölkern, waren und sind Litauer. Daneben leben in der Region bis heute zahlreiche Deutsche. Die Frage der nationalen Identität ist in dieser Region allerdings ein vielschichtiges Problem. Neben nationalen Identifikationsmustern fand und findet man im Memelland ein ausgeprägtes Regionalbewusstsein. Bewohner sahen und sehen sich als Preußische Litauer, als Kleinlitauer oder schlicht als Memelländer.

In ihrem Buch Memelland widmet sich Ruth Kibelka-Leiserowitz den Biographien jener Deutschen, die bis heute in diesem Landstrich leben. Gestützt auf zahlreiche Interviews, schildert sie Schicksale der Nachkriegszeit, die geprägt sind von Kollektivierung, nationaler Unterdrückung und der Erfahrung der Ausreise der deutschen Landsleute in den Westen.

Dr. Ruth Kibelka-Leiserowitz, gelernte Dolmetscherin und Übersetzerin für Polnisch und Litauisch, studierte Geschichte und Polonistik in Berlin und Vilnius. 1996 bis 2001 unterrichtete sie an der Universität Klaipėda/Litauen. 1996 bis 1999 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Thomas-Mann-Kulturzentrum in Nida tätig. Die vierte Auflage von Kibelkas erfolgreichem Buch Wolfskinder. Grenzgänger an der Memel (1996) ist in Vorbereitung. Ihr neuestes Werk Memelland. Fünf Jahrzehnte Nachkriegsgeschichte ist beim BasisDruck Verlag erschienen (240 Seiten, € 19,40).

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Tags: Memelland, DKF-Veranstaltung

2003-01-30 00:00:00
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